Sonntag, 18. Juni 2017

Rise Against - Wolves


Band: Rise Against
Abum: Wolves
Release: 9. Juni 2017
Genre: Melodic Hardcore
Herkunft: Chicago, Illinois, USA

...da browst man gemütlich (und hirntot) über facebook, nur um plötzlich einen Post zu sehen, in dem die Posterin eine Katze als "kleines Fellpopochen" bezeichnet. Wieder mal dachte ich spontan daran, mich umzubringen, dann jedoch kam mir eine bessere Idee: zum zehnten Mal das neue Rise Against Album hören.
Und meine 2 Cents dazu schriftlich festzuhalten.

Seit The Black Market sind inzwischen drei Jahre vergangen, und logisch betrachtet (2008 Appeal to Reason, 2011 Endgame, 2014 TBM) wurde es Zeit für einen Nachfolger. Wolves ist somit keine große Überraschung - dafür aber eine umso positivere! Bereits der Titeltrack zeigt ordentlich Zähne und legt im Vergleich zu den letzten beiden Alben wieder einen raueren Ton an. Disclaimer an dieser Stelle, einen enormen Unterschied findet man hier soundtechnisch nicht. Jedoch haben Rise Against weiter an eben diesem Sound, den sie für sich gefunden haben, gefeilt und ihn - meiner Meinung nach - perfektioniert. Man ist sich weder zu schade, dem bewährten, sehr melodischen Rezept treu zu bleiben, noch, an manchen Stellen wieder schmutzig, roh, und punkig zu klingen. In Sachen Produktion hat man den Zenit des Möglichen erreicht - hier stimmt alles. Der Bass knallt und mümmelt sich über die Songs, ist so präsent und satt, dass er schon beinahe massierend wirkt. Die Gitarren sind lebendig, abwechslungsreich und gehen richtig schön vorwärts - dabei liefern sie Melodie en masse. Tim McIllrath, der zweifelsfrei über eine der schönsten und einzigartigsten Stimmen auf diesem Globus verfügt, liefert ab. Ohnegleichen, Wolves ist eine 10/10. Zum Ende liefert McIllrath sogar einige sehr harsche Screams, sozusagen als Sahnehäubchen. Prima Ding, knallt vor allem beim Autofahren (bitte nur außerhalb geschlossener Ortschaften hören).

House on Fire, die zweite Single, schließt sich an und beginnt erneut mit einem Mümmelbass. Der Refrain eignet sich wunderbar zum mitsingen und stellt einen ätzend aufdringlichen Ohrwurm dar - gut so, denn genau das erwarte ich von einem Rise Against Song! Ganz ehrlich, die Männer liefern hier bereits in den ersten 5 Minuten mehr Energie, als ein durchschnittlicher Teenager am Tag verbrauchen kann. Wahrscheinlich kommt daher auch der Parental Advisory Sticker auf dem Cover. House on Fire ist sprichwörtlich ein Inferno von einem Song, wer hier stillsitzen kann, ist tot. Es folgt The Violence - mein absolutes Highlight des Albums und die erste veröffentlichte Single, die, wie sollte es anders sein, viel Gejammer unter "alteingesessenen" RA-Fans auslöste. Mimimi, man klinge ja genau wie auf The Black Market und Endgame. Jungs, ich weiß nicht, welche Alben ihr da gehört habt, aber man klingt ganz und gar nicht genauso! Energetisch, melodisch, gut, ja! Aber wieder wesentlich rauer, aggressiver und fordernder. Dabei möchte ich die Vorgänger nicht entehren, beide waren exzellente Werke - aber The Violence geht von Sekunde 1 an in die Vollen und tritt das Gas bis zur letzten Sekunde voll durch.
Welcome to the Breakdown liefert im Anschluss den nächsten Turbokracher und überzeugt wieder mit einer Bombe von Refrain, die (Menschen wie mich) dazu anhält, den Repeatbutton regelrecht zu vergewaltigen. Auch hier bekommt man zum Ende wieder einen akzentuiert gesetzten Scream. Generell besinnt man sich hier stärker auf seine Wurzeln - der Track ist unfassbar punkig und aggressiv, rotzt mit einer Energie aus den Boxen, die ansteckt - und klingt stellenweise dreckig. Auch dies wird nur akzentuiert eingesetzt, funktioniert und wirkt aber wunderbar.

Far From Perfect nimmt das Tempo dezent raus und ist einer dieser Songs, die sofort (und ich meine hier regelrecht Instant-Video-mäßig, wer es nicht kennt, schäme sich kurz) ins Ohr gehen. Hier ist die Abwechslung zu betonen, die Rise Against erneut darbieten. Far from perfect ist man an dieser Stelle nicht, soviel kann ich sicher sagen. Neben einem ihrer melodischsten Refrains bieten sie hier eine von Screams untermalte Bridge, die gleich darauf einem ruhigen Instrumentalpart Platz macht, der wiederum in ein musikalisches Finale erwächst, das das Lied wunderbar abschließt. Bullshit ruft auf charmantest mögliche Weise zur Nutzung des eigenen Kopfes auf und thematisiert viel aktuelles, sowohl politisches als auch gesellschaftliches Weltgeschehen. Untermalt wird dieses Konstrukt erneut von einer wunderbar wummernden Bassline und großartigen Backing Vocals. Man macht seinem Ärger offen Luft, verdient sich somit die Parental Advisory Plakette - und scheißt drauf. Rise Against sprechen ihren Ärger und ihre Gedanken aus und schwimmen alleine damit schon mit hohem Tempo gegen den Bullshitstrom an, der seit Jahren immer mehr und mehr gesellschaftsfähige Musik ergreift und ihren lyrischen Fokus auf Ärsche, Oralsex oder ähnliches legt. Großen Respekt und ein fettes "DANKE!" an diese Band, die nicht müde wird, sich PA-Sticker zu verdienen, indem sie ihre Meinung rausposaunt!

Politics of Love ist schon jetzt ein Livekracher und wird, das kann ich prophezeien, mit seinem Rhythmus und der fantastischen Melodie tausende Menschen zum mittanzen - und spätestens mit seinem Refrain - zum mitsingen bringen. Die Gitarren sind hierbei rau und schmutzig, jedoch nicht so aggressiv wie an den meisten anderen Stellen des Albums. Das Schlagzeug macht einen fantastischen Job, besonders die Bridge ist zum Verlieben schön. Whooo-Gesänge finden sich hier ebenfalls, alles in Allem - ein wundervoller, wundervoller Song. Der Song endet genauso melodisch, wie er begonnen hat, und macht Platz für Parts Per Million. Dessen Anfangsriff erinnert mich tatsächlich sehr an Appeal to Reason, und auch im Pre-Chorus kommen bei mir starke Assoziationen an die Zeit auf, als ich noch 13 war... Appeal to Reason eben. Hier gönnen Rise Against dem Hörer ein wenig laid-back-Atmosphäre, will sagen, man nimmt das Tempo stark raus - bis zum Refrain. Hier wird wieder richtig schön reingeknübbelt, insgesamt befindet man sich hier im Midtempo-Bereich. Mourning In Amerika... ach, was soll ich hier sagen? Hört selbst. Stellt für mich einen ganz klaren Hochpunkt auf einem Album voller Hits dar. Die Struktur des Songs ist wunderbar, alterniert er zwischen ruhigem Gemümmel meines Lieblingsinstruments und treibendem Geschrappel der beiden Gitarren.

How Many Walls macht bereits mit dem Einstieg klar, wo hier - erneut - der Fokus liegt: Melodie! Textlich gesehen ist dieser Song mein Highlight, denn sag mir - how many guns tell you feel safe? Auch musikalisch gibt es hier nichts auszusetzen, der Song steigert sich von Durchgang zu Durchgang - und auch von Anfang bis Ende. Viele Male kann man hier noch kleine, hintenanstehende Melodien ausmachen, die diesen Song unendlich interessant machen - von dem krassen, punkigen Break mal ganz zu schweigen. Die Kritik würzt man hier nämlich wieder mit ordentlich Aggression. Miracle stellt für das reguläre Album einen grandiosen Abschluss dar und strahlt schon fast vor Positivität - hier wird eine wichtige Botschaft vermittelt, die im Alltag gerne untergeht. Mehr möchte ich nicht verraten, sondern eher empfehlen, sich den Song (oder besser das ganze Album) selbst anzuhören. Man ist hier etwas ruhiger und versöhnlicher, geht langsamer vor, ist jedoch 100% man selbst.

Mit Megaphone und Broadcast[Signal]Frequency finden sich auf der Deluxe Edition zwei grandiose Bonustracks, die beide wieder mehr in die extrem aggressive, schnelle Richtung schlagen. Fast fühlt man sich in Revolutions Per Minute und Siren Song of the Counter Culture Tage zurückgebeamt - großartig. Das Tempo ist hier dermaßen halsbrecherisch, dass man den Titeltrack des Albums noch einmal übertrifft. Die 2 Euro mehr lohnen sich definitiv.
Aussetzen kann man als Melodic Hardcore Liebhaber an diesem Album absolut nichts, die Komposition ist fantastisch, allen Instrumenten wird ausreichend Platz gemacht, Tims Stimme ist wunderbar wie eh und je - Abwechslung wird groß geschrieben und kommt nicht zu kurz. Die Stimmen der ewig gestrigen Nörgler möge man überhören - ja, man hat sich distanziert. Wolves ist nicht The Unraveling. Wolves ist Wolves. The Unraveling war 2001. Wolves ist 2017. The Unraveling war Rise Against. Wolves ist Rise Against. 10/10.
Anspieltipps: Album von vorne bis hinten.

Oceano - Revelation


Band: Oceano
Album: Revelation
Genre: Deathcore
Release: 18. Mai 2017
Herkunft: Chicago, Illinois, USA
facebook

Zugegebenermaßen wurde es für diese Review Zeit - und zugegebenermaßen bin ich zur Zeit etwas inaktiver, nicht, weil ich keine Musik hätte, die ich reviewen könnte oder wollen würde, sondern weil es mir aus beruflichen bzw. ausbildungsbedingten Gründen in den letzten Wochen nicht möglich war. Jedoch - sind diese nun vorbei.
Ich gestehe, dass mein Interesse an Oceano nach ihrem Zweitgeborenen (Contagion) extrem abgenommen hat, da man sich im Vergleich zum Vorgänger einfach kein Stück weiterentwickelt hatte. Nachdem dann die erste Single Slow Murder vom dritten Kind Incisions auch noch so enttäuschend war, hatte ich diese Band in den Schrank befördert und - wenn überhaupt mal - Depths gehört. Nachdem nun aber Anfang dieser Woche ein Auto an meiner Wohnung vorbei fuhr, dessen Insasse laut Skrillex' Bangarang hörte, und ich spontan darüber nachdachte, mich umzubringen, entschied ich mich, den Mannen noch eine Chance zu geben - allen voran, weil mir im Kopf geblieben war, dass Vocalist Adam Warren wie ein verdammter Panzer klingt.

Das Weiterleben hat sich gelohnt, diese Erkenntnis fiel mir schon beim Opener Dark Prophecy zu. Ein kurzes, sphärisch anmutendes Intro mündet in diesen knochenmarkschmelzenden Growls und einem Doublebassgewitter. Enorm krass. Auffällig ist hier sofort, dass hier einer der uptemposten (auch das ist jetzt ein Wort) Songs der neuen Scheibe vorliegt, der sich aber nicht scheut, das Tempo zugunsten grauenvoll intensiver Breakdowns rauszunehmen. Der sphärisch anmutende Chor bleibt erhalten und erzeugt in etwa die Stimmung, die auch auf dem Albumcover zu sehen ist. Das ist fett und - bleibt das Album über so. Gerade in Lucid Reality wird die Atmosphäre sekundenlang von diesem flimmernden Untergangsorchester getragen, bis die Gitarren und das Monster Adam wieder übel reingrätschen. Deathcore hat, gerade zur Zeit wieder, viele gute Vokalisten. Ben Duerr (Shadow of Intent), Dickie Allen (Infant Annihilator), Alex Teyen (Black Tongue), Tom Barber (Lorna Shore) und Dan Watson (Enterprise Earth, Infant Annihilator) zum Beispiel, um nur einige zu nennen. Jedoch zählt Adam Warren mit den hier genannten definitiv zur absoluten Spitze. Dieser Mann erzeugt Geräusche, die erwiesenermaßen einen derart hohen Infraschallanteil haben, dass sie afrikanische Elefanten zum Genozid anstacheln (die Studie kann ich hier nicht verlinken, da ich sie mir grade ausgedacht hab). Stellt man sich die Tonleiter als das World Trade Center vor und ordnet eine in Standard-E-Tuning gestimmte Gitarre in etwa im 50. Stockwerk ein, so findet man die Gitarren der Oceano-Männer in der Tiefgarage. Was mir als Bassliebhaber eine große Freude bereitet, ist der klangliche Spielraum, den man ebenjenem Instrument hier gelassen hat - ein gutes Beispiel dafür bietet Path to Extinction. Zwischen den malmenden Klampfen und dem wütenden Monstermann kann sich das Gedeaodeaodeao noch erfolgreich gegen die Drums bemerkbar machen - und wer diese Onomatopoesie doof findet, kann gerne zu metal.de gehen.

Da gibt's nämlich Reviews für humorlose Nudeln wie dich.

Gerade als ich mich damit abgefunden hatte, hier wohl ein Downtempo-Album zu hören - und das war nach Path to Extinction berechtigterweise der Fall - begann The Great Tribulation und walzte all meine Erwartungen nieder. Blastbeats, Doublebassgewitter, Blutmond, meine... Güte. Über allem levitiert weiterhin der sphärische Choral der Apokalypse und - nein, er nervt nicht. Er tut's einfach nicht. Was er tut, ist schnell erklärt - er hebt Revelation aus der breiten Masse der Deathcore-Alben raus, die man zwar gut finden kann, die man jedoch bereits nach der Hälfte nicht mehr so wirklich hört, weil irgendwie alles gleich klingt, Hauptsache brutal und schnell und Blastbeats und.... generisch. Auch wenn Oceano an ihrem Grundrezept hier nicht viel verändern, pusht diese Keyspur ihre musikalischen Grenzen meilenweit und schafft es somit, das Album direkt um ein Vielfaches einprägsamer zu machen. Das ist Kunst.

Illusions Unravel setzt den Downtempo-Trend fort, geizt dabei aber nicht mit Doublebass-Attentaten und im Rahmen interessant variierenden Vocals. Majestic 12 knüpft nahtlos an und lässt mir bereits bei den ersten Gitarrenklängen die Nackenhaare zu Berge stehen. Neben einem fantastischen Bassdrop findet sich hier auch einer der am lässigsten eingebauten, langsamen Breakdowns, den Deathcore in den letzten Jahren erleben durfte. Sollte ich diese Band jemals live erleben dürfen, wäre Majestic 12 der Song, der mich alles zerlegen ließe. Ich behaupte sogar, dass die Band mit diesem Song District of Misery übertroffen hat - und zwar um Längen. Mit Final Form schließt sich gnädigerweise ein Instrumental an, denn so langsam wird die Platte anstrengend. Dies ist nicht negativ auszulegen, sondern durchaus positiv. Ich liebe Alben, während denen ich mich nach einer kurzen Pause sehne - diese treffen genau meinen Grad der Brutalität.
Das Intrumental kann hier und da schonmal eine Architects-Assoziation aufflackern lassen, ist allerdings absolut stimmig und auch perfekt platziert. Wer C.A.N.C.E.R. kennt (und wer tut das nicht?), wird die "der Himmel brennt und stürzt über dir zusammen"-Stimmung hier wiedererkennen. Großes Kino, wenn nicht sogar in einen Atemzug mit Meisterwerken wie Pouring Reign (As Blood Runs Black) zu fassen. The Event trägt musikalisch eine Tragik in sich, die auch lyrisch vermittelt wird, berichtet der Song doch vom Ende der Welt und der Existenz aller, die von den Majestic 12 (den "Ascendants") als unwürdig betrachtet werden. Ich empfehle es einem jeden story-affinen Hörer, sich mit den Lyrics des Albums auseinanderzusetzen.

Human Harvest alterniert zwischen Prügel- und Schlepp-Passagen und stellt einen weiteren Apex des Albums dar, sowohl lyrisch als auch musikalisch. Das Gewitter, das hier herniederregnet, muss man erst einmal verkraften können. Der Abschluss- und Titeltrack klingt beizeiten schon groovy und rockig, jedoch nie mehr als eine Armlänge vom Oceano-typischen Deathcore-Gebretter entfernt. Man hat sich hier ordentlich Mühe gegeben und ein Album abgeliefert, an dem es objektiv nicht viel auszusetzen gibt. Was man bemängeln kann, ist die leichte Gleichförmigkeit, was die Vocals und Songstrukturen angeht - jedoch ist das Gemecker auf dem höchsten aller Niveaus. Ich bin immer ganz froh, wenn mir nicht plötzlich ein Trompetenspieler oder ein Falsett meinen Deathcore vermiest.
Ich empfehle dieses Album und gebe ihm objektive 9/10 Punkte.
Anspieltipps: Dark Prophecy, Lucid Reality, Majestic 12, The Event

Sonntag, 4. Juni 2017

Callejon - Utopia (Single)


Band: Callejon
Album: Fandigo
Genre: Metalcore / Electro
Release: 28.07.2017
Herkunft: GER

Lasst uns kurz über Callejon sprechen - die gibt es schon 'ne ganze Weile, 15 Jahre mittlerweile - und wie das mit Zeit eben so ist - Menschen verändern sich, Interessen verändern sich, Stile verändern sich, Musik verändert sich. Das haben wir gerade in den letzten Monaten mehrere Male eindrucksvoll bewiesen bekommen, ich werfe an dieser Stelle mal Suicide Silence, Linkin Park und, ganz aktuell, Hundredth in den Raum. Wie mit drastischen Veränderungen umgegangen wird, ist recht schnell beschrieben - mit Hass. In erster Linie steht dabei jedoch nicht die neue Richtung, die neue Kunst im Blickfeld, sondern die Veränderung an sich. Diesen Punkt würde ich jedoch hier, genau wie bei Suicide Silence, gerne außeracht lassen und mich rein auf das Kunstprojekt beschränken, welches da heißt: Utopia.

Utopia beginnt wunderbar verträumt mit einigen glockenartigen Klängen, zu denen sich gleich darauf ein schmackhafter Synthesizer und einer der (meiner Meinung nach) besten (Ex?-)Brüllaffen des deutschsprachigen Raums hinzugesellt. Ex? Ja, möglicherweise. Denn Screams, Growls, Grunts oder Brees finden sich hier - null. Genau gar nicht. Dafür, und diese Aussage hat Gewicht, verehrte Damen und Herren, präsentieren Callejon hier einen der catchygsten (no comment) Refrains, die sie uns jemals geliefert haben - und bei dieser Band bedeutet das eine ganze Menge. Ich beispielsweise bekomme den Refrain von Raketen oder Unter Tage nämlich bis heute nicht aus dem Kopf, und auch Spiel mir das Lied vom Leben hat bei mir seine Spuren hinterlassen. Von Disneyland on fire und Kind im Nebel mal ganz abgesehen... oh, ich schweife ab.

Nein, ehrlich - Utopia ist ein wunderbarer Song. Entfernt erinnert fühle ich mich an BMTHs letztes Album That's The Spirit, das einen ähnlich drastischen Stilwechsel mit sich brachte (der meiner Meinung nach ebenso erfrischend und angenehm anzuhören war!). Ich bin gespannt, was der Rest des Albums uns bieten wird - und in welche Genre-Kiste die Band damit wohl geworfen wird.

An dem Lied ob der Stiländerung rum zu nörgeln, ist - tschuldigung - zurückgeblieben. Die Produktion knallt, die Intrumente kommen alle entsprechend und satt zur Geltung (vor allem die Drums sind wieder mal meisterlich!), die Vocals sind großartig und machen Bock auf ein Live-Erlebnis. Obwohl man hier hart vom bekannten Weg abkommt, spürt der offene und interessierte Hörer: die Band scheint sich selbst gefunden zu haben. Es steckt eine Leidenschaft, ein "Funke" in diesem Song, der mir auf dem letzten Album einfach nicht mehr so präsent erschien. Einziger und äußerst subjektiver Kritikpunkt meinerseits - die englischen Parts. Nicht, dass ich einem englischsprachigen Callejon-Song gegenüber abgeneigt wäre, aber bitte - entweder oder.

Rating: 8/10!