Sonntag, 8. Oktober 2017

Aversions Crown - Xenocide


Band: Aversions Crown
Album: Xenocide
Genre: Deathcore
Release: 20. Januar 2017
Herkunft: Brisbane, Australien

1. Void
2. Prismatic Abyss
3. The Soulless Acolyte
4. Hybridization
5. Erebus
6. Ophiophagy
7. The Oracles of Existence
8. Cynical Entity
9. Stillborn Existence
10. Cycles of Haruspex
11. Misery
12. Odium

Ja, zugegebenermaßen ist der Release dieser Scheibe schon ein paar Tage her - jedoch hat sich kaum ein Album für mich je so gedreht wie dieses. Ich hatte vor einigen Wochen das Vergnügen, Aversions Crown live zu erleben - und ihre Darbietung war mehr als abgefahren. Im Anschluss hab ich mich erneut mit diesem bösen Kerl auseinandergesetzt und möchte euch dazu ein paar Takte erzählen - denn wie ich finde, werden ihm Reviews wie beispielsweise jenes hier auf metal.de objektiv gesehen schlichtweg nicht gerecht.

Void ist ein Intro, das seinen Dienst tut - es führt bedrückend, synthesizerlastig und irgendwie fremdartig an die ganze Alieninvasions-Thematik heran, mit der sich diese Band (warum auch immer das im Moment so im Trend ist) auf Xenocide auseinandersetzt. Das ist jetzt kein besonderes Hexenwerk, aber stimmig gemacht. Prismatic Abyss jedoch legt dieses Gehabe schnell ab und wechselt in den absolut aggressiven Aufsmaulmodus. Und den beherrschen Aversions Crown einfach gut - was nicht zuletzt den drei 8-Saitern (!) geschuldet ist, mit denen der Hörer weggewalzt wird. Tempowechsel zwischen schnell und beinahe schon zu schnell, Breakdown-Riffing, das auch gerne mal schwarzmetalllastig schmeckt und Double-Bass-Attentate ohne Ende bauen hier das Grundgerüst für Mark Poidas Gegrunze und Geschrei sowie die eine oder andere melodische Einlage der Gitarre. Beinahe vier Minuten gibt es hier gnadenlos ins Gesicht, bis The Soulless Acolyte übernimmt - und quasi genauso weitermacht. Ja, auch dieser Song hält das Tempo, die Drums (welche live exzellent umgesetzt werden - Hut ab!) geben Doppelvollgas - jedoch ist das Riffing hier deutlich deathlastiger als noch im Vorgänger. Von Effekthascherei kann man hier zwar gerne sprechen - jedoch sollte man dabei auch den Drop und seinen Freund, den heftigen Breakdown kurz nach Songmitte nicht vergessen. Allgemein wird auch The Soulless Acolyte durch die durchgängig vorhandene Melodie der Gitarre zu einem "passenden Song". Hybridization greift wieder zur Synthesizerintro-Keule, wächst sich dann jedoch ebenfalls zu einem Monster von Song aus - gespickt mit technisch brillanter Instrumentation. Auch wird hier erstmals das Tempo etwas raus genommen - sahnige Soße, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Erebus ist jedoch ohne Frage das Herzstück der Platte. Grandiose Melodien, überlagert mit dem bösartigen Riffing der Jungs, einem nach Live-Shows Sehnsüchte weckenden Refrain inklusive dezenten, rhythmischen Bassdrops und einem Schlagzeug, das sich auch zeitweise mal zurücknehmen kann - ein Meisterwerk und fraglos einer der stärksten Deathcore-Songs des Jahres. Hier geht es um wesentlich mehr als den zugegeben enormen Breakdown, das ist offensichtlich. Ruhig werdend neigt sich der Song dem Ende zu und entlässt uns beinahe schon melancholisch (das ist der Moment für den Replay-Button), bis sich Ophiophagy anschließt - ein weiterer starker Track. Hier wird wieder aggressiver vorgegangen und intensiv mit Breakdowns und Synthesizer gearbeitet.

Zweites Highlight des Albums ist The Oracles of Existence - prinzipiell zeigt der Song nur gegen Ende kurzzeitig Gnade mit dem Hörer, jedoch ist auch hier die Komposition erstaunlich und bemerkenswert. Hier wird aus allen Rohren Vollgas gegeben, jedoch auch dabei die Melodik nicht vergessen. Selbst während eines obszön bösen Breakdowns unter inbrünstiger Unterstützung Mark Poidas bleibt diese erhalten. Mein dringender Anspieltipp Misery besticht durch die Gitarrenmelodie, die quasi den kompletten Song wie ein Miasma überlagert und ihm damit eine interessante Note verleiht.

Zugegebenermaßen, Xenocide nervt an gewissen Punkten, ja. Cycles of Haruspex beispielsweise macht von Beginn an Ausflüge in Slam-Gefilde und ich bin dankbar, dass die Band sich ansonsten dort raus hält. Cynical Entity nervt mit der Gitarre zu Beginn und ist auch ansonsten kein sonderlich überragender Song. Stillborn Existence und Odium tun niemandem wirklich weh - jedoch hinterlassen sie keinen bleibenden Eindruck bei mir und ich bin sicher, dass man diese vier Songs einfach hätte weglassen können. Dann hätte man immer noch ein 8-Track Album gehabt, jedoch no fillers just killers. Wäre schön gewesen.
Jedoch sind die starken Songs, allen voran Erebus und The Oracles of Existence, qualitativ umso beeindruckender. Ich bin seit der starken Live-Leistung der Jungs extrem beeindruckt und freue mich auf einen neuen Silberling. Da darf die Produktion dann auch gerne etwas roher und sparsamer ausfallen. Dick im Weg stehen tut der Stil hier zwar nicht, jedoch ist er am Anfang ein wenig gewöhnungsbedürftig - besonders, wenn man mit Alben wie Allegiance aufgewachsen ist.

Rating: 6/10
Anspieltipps: Erebus, Ophiophagy, The Oracles of Existence, Misery

August Burns Red - Phantom Anthem


Band: August Burns Red
Album: Phantom Anthem
Genre: Metalcore
Release: 6. Oktober 2017
Herkunft: Pennsylvania, USA

1. King of Sorrow
2. Hero of the Half Truth
3. The Frost
4. Lifeline
5. Invisible Enemy
6. Quake
7. Coordinates
8. Generations
9. Float
10. Dangerous
11. Carbon Copy

"Also August Burns Red sind quasi... eine Tiefkühlpizza?"
Diese Frage werde ich späterhin beantworten. Die größte Stärke von August Burns Red ist (neben einem meiner Meinung nach ungemein sympatischen und down-to-earth-en Frontmann) Beständigkeit. Kontinuität. Die Fähigkeit, immer nach August Burns Red zu klingen, jedoch ohne dabei repetitiv zu werden oder den Hörer zu langweilen. August Burns Red liefern seit nunmehr 14 Jahren Metalcore allerhöchster Güte. In meiner persönlichen Sammlung befinden sich alle Alben ab Messenger, von daher stand es gar nicht zur Diskussion, ob Phantom Anthem sich hinzugesellen wird - natürlich. Nach einigen Durchgängen bin ich von den Songs begeistert, von manchen mehr als von anderen - jedoch von keinem überrascht.

Bereits King of Sorrow und Hero of the Half Truth eröffnen kompromisslos das Feuer. Der letztgenannte Song richtet sich klar an und gegen Donald Trump, ist wütend, beißt und kratzt und ist einer der wenigen guten Anti-Trump-Songs, die ich bisher gehört habe. King of Sorrow hingegen kann mit seinem schönen instrumentalen Zwischenspiel überzeugen, ein klassischer August Burns Red eben - auf die Schnauze, Tempo raus, Tempo rein. Jedoch muss sich auch das Zwischenspiel in Hero of the Half Truth nicht verstecken - ist nur eben komplett anders als sein Verwandter. Schlagzeuger Matts gnadenloses Geprügel erstaunt mich immer wieder; mit ihm haben die Herren ohne Frage einen der besten Drummer des Genres in den Reihen sitzen. Generell ist bei August Burns Red jedes Instrument ein Hochgenuss für sich, die Drums übertreffen jedoch alles.

Auch die bereits im Vorfeld veröffentlichten The Frost und Invisible Enemy sind einwandfreie ABR-Songs - gerade Invisible Enemy hat das Zeug zu einem echten Klassiker. Der Song wechselt aus einem unglaublich intensiven Prügel-Part in einem massiven Nackenbrecher, an den sich wieder viel Gitarrengefrickel anschließt - wunderbar. Eines meiner absoluten Highlights. Wo wir bei Highlights sind - Melodie-Hightlights dieser Platte sind ganz klar Quake, Generations und Dangerous! Generations wartet mit einem erfrischenden, tanzbaren, beinahe schon beruhigenden Zwischenpart und Outro auf, während der Fokus bei Quake und Dangerous klar auf melodischem Riffing (selbstverständlich in Abwechslung mit gnadenlosem Gebretter) liegt. Dangerous ist hier ein weiteres Highlight für mich und beinhaltet einen der besten ABR-Riffs, die ich jemals gehört habe. Carbon Copy ist ein weiterer potenzieller Klassiker und schließt das Album mit einem fantastischen Schlusspart ab - insgesamt liefern die Herren hier unfassbar kurz erscheinende 53 Minuten.

Aber sind August Burns Red denn nun eine Tiefkühlpizza?
Meiner Meinung nach: ja. Denn wie bereits erwähnt, erhält man nie viel wirklich neues. Dem gewohnten Stil wird treu geblieben und an zwei, drei Stellen wird dieser mit einer Prise Innovativem gewürzt. Ja, August Burns Red können sich das erlauben - nie wirklich was Neues, aber immer geil. Wie eine Tiefkühlpizza. Die würd' ich mir auch jederzeit reinziehen, auch wenn ich in meinem Leben schon einige davon verzehrt habe.

Rating: 9/10
Anspieltipps: Hero of the Half Truth, Invisible Enemy, Generations, Dangerous, Carbon Copy

Freitag, 6. Oktober 2017

Dawnwatcher - Seasons (EP)

Band: Dawnwatcher
EP: Seasons
Genre: Metalcore / Post-Hardcore
Release: 6. Oktober 2017
Herkunft: Saarbrücken, Deutschland
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1. Blossom
2. Inferno
3. Decay (feat. Sören Frechen I Am Noah)
4. Evercold

Nachdem bereits die erste Single Circles (feat. Desirée Fery) bei mir wie eine Bombe eingeschlagen und mich tief beeindruckt hat, war ich vor wenigen Wochen sehr erfreut, als endlich die erste EP angekündigt wurde. Heute morgen habe ich dann die geradezu monströsen 3,96€ (!!!) direkt investiert und könnte darüber kaum glücklicher sein. Seasons ist sowohl musikalisch als auch lyrisch vollgepackt mit Emotionen - darunter Sehnsucht, Hingabe, Wut und Schmerz.

Blossom beginnt wunderbar melodisch und ruhig, gibt den Instrumenten viel Freiraum, zur Geltung zu kommen, bevor Andrés (absolut fantastisches) Geschrei einsetzt. Selbst unter Begleitung dessen bleibt der Song sehr melodiefixiert und ruhig - bis er dann in der Mitte in einem erschreckend wütenden Break aufplatzt. Es schließen sich Cleangesang und erneut hypnotisierend melodische Parts an. Die Leadgitarre ist geradezu betörend.

Nach dem ruhigen Ausklang beginnt Inferno und geht gleich von Beginn an ordentlich rein, geizt jedoch dabei ebenfalls nicht mit bestechender Melodik. Hier wird jedoch allgemein wesentlich aggressiver und fordernder gerifft - bis zum Refrain. Dieser nimmt das Tempo wieder ordentlich raus und trägt mich mit seiner zauberhaften Leadgitarre schon beinahe wieder davon. Da ist es auch gar nicht schlimm, dass dieser sich einige Sekunden darauf bereits wiederholt.

In Decay geht es in Sachen Tempo zum ersten Mal richtig ab. Durch Double-Bass-Action und insgesamt exzellentes Drumming wird das breakdownlastige Riffing kräftig untermalt, besonders fixen mich hier allerdings die Lyrics an. Die Vocals von André und Sören passen hervorragend zusammen und heben diesen Song deutlich hervor. Auch durch den gesprochenen Part wird hier eine spannende Kurve erzeugt, aus welcher der Song erneut Tempo aufnimmt und geradezu erblüht.

Mein klares Highlight ist jedoch Evercold. Spätestens hier überzeugen Dawnwatcher neben enormem Gespür in Sachen Gleichgewicht zwischen melodischer Gestaltung und authentischer Aggressivität auch mit einem wundervollen Outro, von dem ich mir persönlich bei jedem Durchlauf wünsche, es möge doch einfach weitergehen und nicht enden.

Verpackt ist die EP in einem Gewand aus hervorragender Produktion, die alle Instrumente angemessen zur Geltung kommen lässt - der Bass, die Drums, die Gitarren, die Samples und Electroparts - alles hat seinen Platz und ist deutlich auszumachen, nichts kommt zu kurz. So lob ich mir das. Ich hoffe inständig, dass wir noch mehr von den sympathischen Jungs hören werden. An dieser Stelle möchte ich ihr Cover von Linkin Parks Somewhere I Belong erwähnen. Das Ding kostet auf Amazon 99 Cent und ist meiner Meinung nach extrem gelungen. Das Sahnehäubchen darauf ist - 100% der Einnahmen des Covers gehen an die International Association for Suicide Prevention (IASP). Wenn es euch gefällt - tut euch selbst, der Band, der IASP und somit zahlreichen depressiven Menschen in Deutschland diesen symbolischen Gefallen - wer weiß, wessen Leben ihr damit eventuell rettet.
Ich geh jetzt wieder zum Outro von Evercold und versuche weiterhin, die Tränen zurückzuhalten. Cheers.

Seasons: 10/10.