Donnerstag, 31. August 2017

Eskimo Callboy - The Scene


Band: Eskimo Callboy
Album: The Scene
Genre: 5$ Bitchcore
Release: 25. August 2017
Herkunft: Castrop-Rauxel, Deutschland

1. Back in the Bizz
3. The Devil Within
4. Banshee
5. The Scene (feat. Fronz Attila)
6. VIP
7. Shallows
8. Nightlife (feat. Little Big)
9. X
10. New Age
11. Frances
12. Rooftop
13. Calling
14. The Devil Within Acoustic (feat. Tobias Rauscher)

Zwei Jahre ist es nun her, dass die Castrop-Rauxeler Callboys uns mit Crystals beehrt haben. Und obwohl es sich dabei um ein gutes Album handelte, fühlte es sich für mich nach ein paar Durchläufen einfach ein wenig so an... als sei die Luft raus. Zumindest über weite Strecken. Heraus stach Best Day mit Sido, weil ich hier noch das Gefühl hatte, dass die Band macht, was sie möchte, nicht, was von ihr erwartet wird. Und es scheint mir so zu sein, dass sie mit The Scene auf letzteres einfach mal komplett geschissen hat.
The Scene ist Abwechslung, The Scene ist Unterhaltung. Es ist erfrischend, facettenreich und im Vergleich zu Crystals ein riesiger Sprung nach oben - meiner Meinung nach ist es bisher sogar das beste Album der Band, aber dazu gleich mehr.
Back in the Bizz beginnt mit einem heftigen Hip-Hop-Beat und gibt gleich darauf Vollgas. Hervorheben muss ich an dieser Stelle direkt mal die Electro-Parts, die in fast jeden Song eine einzigartige Facette einbringen. Die klingen hier, bei BitB, mal nach Progressive House, späterhin mal mehr nach Dubstep (nicht zu sehr, Gott sei's gedankt), es gibt einen Rave-Part (!), dann sind sie wieder absolut unaufdringliche Unterstützung und in MC Thunder einfach eine dicke, fette Schicht Kleister, die den Song quasi einschmiert und zusammenhält. Props auch an die Vocals, die in einer nie da gewesenen Facettenreichheit glänzen. Mal klingt Sebastian tatsächlich wie ein Gangster (Rooftop), mal wie ein Hardrock-Sänger (VIP), die Clean Vocals überzeugen sowohl mit Autotune als auch ohne (beide Versionen von The Devil Within). Auch die Shouts beider Herren wissen zu überzeugen, jedoch muss man hier ganz deutlich die Cleans in den Vordergrund stellen, hands down. Eine sagenhafte Entwicklung wurde hier durchgemacht (als Vergleich dient Never Let You Know Acoustic von We Are The Mess.

MC Thunder ist ein fabelhafter Song, den man mit heruntergelassener Fensterscheibe auf der Autobahn ballern kann, um den Sommer zu zelebrieren. Angenehm finde ich die Lyrics: hier heißt es zwar "I wanna ride this impressive lady every night and day", jedoch geht es um einen Cadillac. Nicht schon wieder um die x-te Party-Ische. Das ist der Aspekt, der das Album für mich zu einem Hochgenuss macht und über die bisherigen Werke hebt: die Lyrics beschäftigen sich nicht mehr 24/7 mit ficken, feiern und saufen. Ich mochte es von Anfang an nicht und das wird bei mir auch nix mehr. Zudem stimmt, wie immer, einfach die musikalische Inszenierung.
The Devil Within ist mein klarer Favorit der Platte, mit einer Menge Struktur, großartigen Keys und einem fantastisch überzeugenden Sebastian Biesler gibt es da auch wenig Raum für Diskussionen. Auch Banshee geht mehr in die ruhigere Richtung und steht somit im dicken Kontrast zum Titeltrack The Scene. Mit Fronz wird ordentlich Gas gegeben, und auch dies steht den Herren noch und wirkt durch interessante instrumentale Gestaltung frisch und interessant. Klanghölzer-esque Klänge habe ich bisher in keinem Core-Song gehört. Das sich anschließende VIP ist ebenfalls einer meiner Favoriten und ich bin gespannt, wie dieser Song live präsentiert wird. Ein weiterer Schlag ins Gesicht der ewig gestrigen, die ein Bury Me In Vegas 4 fordern. Ich danke Eskimo Callboy für die Experimentierfreudigkeit, die sie hier an den Tag legen.

Shallows ist ein mit-Vollgas-auf-die-Fresse-Track, der sich keinesfalls zu verstecken braucht. Zusammen mit Nightlife wird hier das Tempo nochmal ordentlich angezogen, bevor man mit X und New Age wieder aufs Gaspedal drückt. Der Anschlusstrack Frances überrascht mit interessanten Drums zu Beginn und gegen Ende durch wundervolle, weibliche Cleans, die mich an Cozy Zuehlsdorff erinnern und kratzt schon hart an Radiotauglichkeit - doch das ist okay und verdient! Es wäre sogar mehr als verdient. Wie an vielen Stellen auf der Platte nehmen sich die Jungs hier zurück und zeigen sich von einer ruhigeren, gefühlvolleren Seite.
Rooftop ist, für mich, der einzige Song, der nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt, wenn man von dem harten Hip-Hop-Einstieg absieht. Dafür ist das abschließende Calling grandios und dürfte das beste Lied der Band seit Broadway's Gonna Kill Us sein. Die akustische Version von The Devil Within setzt dem ganzen Teil noch ein riesengroßes Sahnehäubchen auf und geht mir kaum aus dem Kopf. Fantastische Arbeit von Tobias Rauscher und Sushii.

The Scene nur als gut zu bezeichnen, wäre untertrieben. Großartig trifft es da schon eher. Die Band bleibt sich im Großen und Ganzen treu, verlagert ihren Sound aber wie bereits angesprochen in eine ruhigere, ja schon nachdenklichere Richtung. Herausragend oder gar innovativ sind die Parts von Gitarren, Drums und Bass hier nicht zu nennen, doch sind sie stimmig. Und in dem Genre, in dem sich Eskimo Callboy bewegen - nennen wir es mal Electronic Post-Hardcore (auch wenn es mich dabei gruselt) - ist das mehr als genug. Dafür liegen die Highlights - siehe oben - bei den Electro-Parts und Vocals.
Anspieltipps: (beide) The Devil Within, Banshee, VIP, Shallows, Frances, Calling
Rating: 9/10!

Montag, 28. August 2017

Aborted - Bathos (EP)


Band: Aborted
EP: Bathos
Genre: Technical Death Metal
Release: 30. Juni 2017
Herkunft: Waregem, Belgien
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1. Bathos
2. Fallacious Crescendo

Auch 2017 entfesseln die Belgier Zerstörungsmaschinen Aborted wieder ihren Wahnsinn und lassen sie auf die stets erwartungsfreudige Hörerschaft los. Und ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, wie das möglich ist, aber im Vergleich zu The Necrotic Manifesto haben sich Aborted erneut gesteigert. (Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Termination Redux und Retrogore verpasst habe, jedoch werd ich das in den nächsten Tagen wiedergutmachen.)
Bathos liefert zwei Tech-Death-Songs höchster Güte. Bei weitem nichts neues, nein - aber dafür etwas sehr, sehr gutes. Startend mit einem seichten Intro, wie man Aborted nun mal kennt, wächst sich der Titeltrack nach knapp einer Minute zu einem soundgewordenen Tumor aus - aggressiv, nicht wirklich greifbar, und heavy as fuck. Why is everything so heavy?, müssen wir uns hier zurecht fragen. Wahrscheinlich, weil Sven de Caluwé und Konsorten hier wieder wie gewohnt abliefern.

Fallacious Crescendo ist musikalisch ebenfalls so interessant wie technisch anspruchsvoll inszeniert und konstruiert. Über mangelnde Kreativität kann man sich bei den Herren wie schon immer nicht beschweren. Vor allem bleiben Aborted ihrem Sound treu, wobei sie ihn doch in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. Dass dies eindrucksvoll möglich ist, ohne sich selbst zu verbiegen oder zu verleugnen, wird auf Bathos erneut bewiesen.

Rating: 8/10.

Shadow of Intent - Reclaimer


Band: Shadow of Intent
Album: Reclaimer
Genre: Symphonic Deathcore
Release: 28. April 2017
Herkunft: Connecticut, USA
bandcamp

1. We Descend...
2. The Return
3. The Horror Within
4. The Catacombs (feat. Jason Evans Ingested & Dickie Allen Infant Annihilator)
5. The Mad Tyrant's Betrayal
6. The Gathering of All (feat. Aleksandr Shikolai Slaughter to Prevail)
7. The Heretic Prevails
8. The Prophet's Beckoning (feat. Tom Barber Lorna Shore)
9. The Forsaken Effigy
10. The Great Schism
11. The Mausoleum of Liars
12. The Tartarus Impalement

Diese Review wollte ich schon eine ganze Zeit lang schreiben - aber ich konnte mich nie überwinden, damit anzufangen. Motivation eben. Aber nun ist es soweit!
We Descend beginnt als ein ruhiges, orchestrales Stück, zu dem sich Instrument für Instrument hinzugesellt. Hierbei muss man schon die Epik dieses Intros betonen, das sämtliche Genrekollegen um Längen schlägt. Denn bereits hier werden alle Segel in Richtung Symphonic Deathcore gesetzt und alle Anker gelichtet. Nach etwas weniger als anderthalb Minuten steigt auch  Brüllwürfel Ben Duerr ins Geschehen ein und schreit sich zunehmend die Überreste seiner Seele raus.
The Return setzt erneut mit einem kurzen, orchestralen Beitrag ein, bis es rasend schnell in Richtung auf die Fresse umschlägt. Duerr bewegt sich hier irgendwo zwischen Double- und Tripletimescreams und jagt mir jedes Mal wieder eine Gänsehaut über den Rücken. Die Instrumente begleiten ihn dabei in einem angemessenen, dazu passenden Tempo. Plötzlich, Melodie! 'n Shitload of melody, und - sowas wie... fast schon Gesang? Geshouteter, jedoch melodischer Gesang. Im Anschluss an den Refrain wieder Gutturals der übelsten Sorte und man muss sich kurz vergewissern, dass diese Band tatsächlich nur einen Vocalist hat - der nebenbei bemerkt erst 22 (!) Jahre alt ist. Ich sage dem Herrn an dieser Stelle eine enorme Zukunft voraus. Das Lied ist ein Wunderwerk - Doublebass, Karazhan-Parts, Soli und treibende Rhythmen, und das alles unterstützt von Duerrs übermenschlich guten Vocals. In den 4:45 Minuten des Liedes passiert quasi einfach ZU VIEL, um es hier in Worte zu fassen. Deathcore-Neulinge könnten hier tatsächlich etwas überfordert sein (oder andernfalls von 3/4 aller anderen Deathcore-Veröffentlichungen enttäuscht sein, da Shadow of Intent die Messlatte hier unglaublich hoch legen). The Horror Within bringt die bereits bekannten Elemente direkt in voller Form zurück - Drumgeballer, Synthesizer, einen wütenden Ben Duerr - und plötzlich einen unerwartet heftigen Breakdown. Ei. Legenden berichten, dass ich beim ersten Hören dieses Breakdowns vollkommen ohne triftigen Grund einem Fremden das Erstgeborene geraubt und vor einen Zug geworfen habe, noch bevor dieses überhaupt gezeugt war.
Einfach, um auf den Breakdown klar zu kommen.
Der Song hat zwar etwas weniger Struktur als der vorherige, funktioniert aber dennoch über sechs Minuten lang außergewöhnlich gut. Und nach all dem unendlich schnellen Geballer schließt sich wieder ein "gesungener" Part an, der das Tempo ordentlich raus nimmt - was selbstverständlich nicht so bleibt. Trotzdem passt dieser "Stop" sehr gut, ist keinesfalls unwillkommen oder erzwungen. Das Lied funktioniert, wirkt wie aus einem Guss und trägt - gerade am Ende - soundtechnisch eine riesengroße Menge Tragik in sich.

Im sich anschließenden The Catacombs brillieren neben Ben Duerr auch die beiden hochkarätigen Feature-Gäste. Von der Synergie und Harmonie, die dadurch erzeugt wird, überzeugt man sich am besten selbst.
The Mad Tyrant's Betrayal strotzt wieder vor Tragik - bis zum Refrain wird hier Vollgas gegeben und auf 170 beschleunigt, bis man mit einem einzigen gigantisch bösen Bassdrop eine Vollbremsung hinlegt und den - ich muss es erneut betonen - vor Tragik geradezu triefenden Refrain hinballert. Wer hier noch nicht völlig hin und weg ist, dem kann man nicht helfen. Oder doch? Wer von dem Refrain und dem sich anschließenden Spoken-Part, dem Orchester oder dem Gitarrensolo nicht überzeugt ist, der mag es vielleicht etwas hasserfüllter? Steht mehr auf Blastbeats?
The Gathering of All könnte da weiterhelfen! Spätestens beim Gastbeitrag der russischen Tötungsmaschine Aleksandr Shikolai beginnt nämlich sogar die Mauer in meinem Kopf, zu bröckeln. Und das ist ein Ereignis von Bedeutung, versteckt sie doch meine schlimmsten Gedanken vor mir. Mittlerweile versteckt sich dort wahrscheinlich auch die Akte "Shadow of Intent machen kein 3. Album", denn das möchte ich nicht erleben.

The Heretic Prevails ist wieder sehr technisch und melodisch, glänzt mit einer großen Portion "Drive" während der Strophen und einer Spannung erzeugenden Songstruktur - großartig umgesetzt. Und diese lässigen Bassdrops, genial. Im Anschluss folgt das - meiner Meinung nach - absolute Glanzstück der Platte. The Prophet's Beckoning bringt einen Refrain mit sich, wie ich ihn im Deathcore überhaupt noch nie und selbst im Metalcore seit Jahren nicht mehr gehört habe. Emotional, man möchte fast von ergreifend sprechen, wird hier (wie in jedem Song übrigens) ein auf der Halo-Spielereihe basierendes Kapitel Geschichte erzählt. Und man möchte mitbrüllen. Man möchte in der ersten Reihe vor Ben Duerr stehen und ihm "MY BROTHERS HAVE FORSAKEN ME" ins Gesicht schreien. Allein bei den ersten Tönen der Gitarre erfüllt mich eine Sehnsucht, wie ich sie sonst nur bei Journeys Don't Stop Believing verspüre. Grandios unterstützt von Synthesizer und Slam-Gitarrenparts sprudeln die Strophen aus den Boxen. Man will nicht mehr aufhören.

The Forsaken Effigy verblasst zuerst, leider, und das ist ungerecht - als Folgetrack von The Prophet's Beckoning musste es diese Rolle leider übernehmen. Nach dem dritten Durchgang konnte ich allerdings eine Zeit lang nicht aufhören, auch diesen Song ununterbrochen auf Repeat zu hören. Lasst euch also nicht täuschen, nehmt euch die Zeit für die Effigy - ihr werdet es nicht bereuen, versprochen! The Great Schism ist ein technisch einwandfreies Instrumental, das jeden Gitarrenliebhaber erfreuen wird. Hat man nichts an Instrumentals (warum auch immer), skippt man einfach und gut ist. The Mausoleum of Liars versprüht wieder eine spannende Epik und wartet erneut mit Blastbeats, Spoken-Words und Doubletimegrowls auf. Das macht Spaß und ebnet den Weg würdig für The Tartarus Impalement. Meiner Meinung nach das zweite große Highlight auf dieser Platte voller Meisterwerke - und deshalb sag ich dazu nichts. Nehmt euch die 8 Minuten Zeit, macht es euch bequem - und genießt dieses Meisterwerk.

Ich halte es für unwahrscheinlichst, dass ich diese Aussage werde korrigieren müssen: das Deathcore-Album des Jahres. Und auch das Deathcore-Album des letzten (und wahrscheinlich auch des kommenden) Jahres. Anspieltipps: 1-12
Rating: a solid 5/7 (for the meme), 10/10.

Freitag, 18. August 2017

Enterprise Earth - Embodiment


Band: Enterprise Earth
Album: Embodiment
Genre: Deathcore
Release: 14. April 2017
Herkunft: Spokane, Washington, USA
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Zugegeben, ja! Ich gebe es direkt zu! Okay! Danke für die Erinnerung!
Es handelt sich hierbei nicht um die aktuellste Scheibe und ja, es kam auch schon wieder ne Weile nichts - aber das hatte Gründe. Dieser Blog ist ein Ein-Mann-Projekt, somit steht und fällt alles mit Motivation und Gesundheit aller Arten. Macht aber nix, denn in den nächsten Wochen möchte ich euch (neben z.B. neuen Thy Art Is Murder und Eskimo Callboy Werken) noch einige Alben vorstellen, die ihr dieses Jahr vielleicht verpasst haben könntet. Heute geht es los mit Enterprise Earth!

Enterprise Earth - ich muss zugeben, dass ich den Namen zunächst, nun ja, nennen wir es höflich "befremdlich" fand. Als ich dann allerdings zum ersten Mal Shallow Breath gehört hatte, war das ganz schnell vergessen und Patient Ø schneller angeschafft, als normale Menschen bis 3 zählen können. Dementsprechend hoch war dann auch meine Freude auf Album Nummer 2, welches Anfang des Jahres mit Mortem Incarnatum angeteasert wurde. Und meine Fresse, war das ein Bombenteaser! Von der ersten Sekunde an hämmert einen der Track mit unbändiger Kraft gegen die Wand und Dan Watson, der wohl kleinste Deathcore-Vocalist der Welt, lässt seinen Wahnsinn auf den Hörer los. Fantastisch, was hier geboten wird - dicke Breakdowns, mal langsam, mal schnell; widerliche Lyrics; Drumming allererster Sahne und eine geradezu adipöse Produktion. Gerne drücken die Instrumentalisten auch mal enorm aufs Gas und sorgen für enorm heftige Prügelpassagen, die einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Temptress hieß der zweite Teaser, und der machte in etwa dort weiter, wo Mortem Incarnatum aufgehört hatte. Ein langsames, beinahe schon unangenehm düsteres Intro mündet erneut in Double-Bass-Gewitter und unheiligem Gitarrengedudel, gefolgt von - Breakdowns und Sweepings. Das tut gut, das macht Spaß.

Doch halt! Shroud of Flesh dürfen wir nicht vergessen, immerhin eröffnet dieser Track die Platte ohne großartige Verzögerungen. Dieser steht den bereits genannten Tracks um nichts nach, jedoch findet sich zwischen diesen insgesamt nur wenig Abwechslung. Und hier muss man leider auch anmerken, dass das über einen Großteil der Platte so bleibt - die Abweichungen sind vorhanden, jedoch sind sie sehr fein. So kann beim ersten Durchhören eventuell der Effekt entstehen, dass sich vieles gleich anhört. Jedoch entdeckt man nach einigen Durchläufen durchaus Unterschiede, mit welchen sich die Songs einwandfrei voneinander abgrenzen lassen. Feine Sweeps hier, eine beinahe tragische Melodie da, klare Djenteinflüsse oder ein kurzes Sample wiederum an anderer Stelle - ganz ehrlich, diese Platte ist fantastisch - und ekelhaft brutal.

2017 ist ein gutes Jahr für das mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene Genre Deathcore - wesentlich stärker als 2016. Während sich in den vergangenen Jahren immer mehr Vertreter des Deathcore durch absolute Repetition selbst in die Irrelevanz gedrängt oder gar ganz beerdigt haben, beerdigen Enterprise Earth mit Embodiment zuvorkommenderweise einen Großteil des Genres, der noch immer im Einheitsbrei versinkt. Großartige Gitarrenarbeit findet sich in Black Earth, Empty Sockets und Father of Abortion. Dan Watson, der seine alte Gruppe Infant Annihilator nach The Palpable Leprosy of Pollution leider aus persönlichen Gründen verlassen hat, hätte damals gar keine bessere Entscheidung treffen können - ansonsten hätten wir alle Enterprise Earth wahrscheinlich nie kennen gelernt. Unerwähnt lassen möchte ich auch keinesfalls Deathwind, den Abschlusstrack dieses Meisterwerks. Mit knapp über fünf Minuten liegt hier der längste Track des Albums vor, der jedoch auch nach seinem kurzen Intro quasi ein Dauerfeuer aus grandiosen Vocal-Skills und massiver, instrumentaler Wucht entfesselt. In einem letzten Anflug von zerstörerischer Wut bricht hier während eines brillanten Gitarrensolos gefühlt die Erdkruste auf.
Enterprise Earths einziges "Problem" ist, dass ihnen ihre Musik offenbar genau so sehr gut gefällt - was die bereits erwähnte, leichte Gleichförmigkeit zur Folge hat. Gibt man dem Album jedoch eine Chance, sich zu entfalten, tun sich die zahlreichen Facetten der Songs auf und man erkennt die massiven Unterschiede. Wie schon gesagt - 2017 ist ein großartiges Jahr für den Deathcore. Jedoch existieren noch zig Bands, die noch wie vor 10 Jahren klingen und im Einheitsklumpatsch versinken - und solange dies noch der Fall ist, kann es von Liedern der Güteklasse, wie Enterprise Earth sie hier 13 (!) Mal abgeliefert hat, nicht genug geben. Einzig und allein die Produktion könnte in meinen Ohren ein wenig unsauberer, dreckiger und gemeiner klingen
Anspieltipps: Mortem Incarnatum, The Draconian Oculus, Black Earth, Empty Sockets, Father of Abortion, Deathwind.
Rating: 9/10!