Band: Tell You What Now
Album: Failsafe: Entropy
Genre: Progressive Metalcore
Release: 24.02.2017
Release: 24.02.2017
Herkunft: Berlin, GER
Rating: 10/10
Ja, ich LIEBE progressiven, djentigen Metalcore. Ich LIEBE den Groove und den Antrieb, den diese Songs meist in sich tragen.
Und als Liebhaber dieser Richtung, dieses Grooves und Drives liebe ich natürlich auch Bands wie Monuments und ERRA - aber allen voran eben auch die Berliner Tell You What Now. Deren Album Signs of Life war immer meine erste Wahl, selbst als 2016 ERRAs großartiges Werk Drift auf den Markt kam... war. Denn es scheint, als wäre Signs of Life innerhalb eines Tages (!) von Failsafe: Entropy abgelöst worden.
Nun, wie ist das möglich? Ganz einfach: das Album ist in meinen Augen eine vollkommene 5/5, 10/10 oder auch 100/100. Hier fehlt absolut nichts und man erhält - im Umkehrschluss logisch - alles. Einen absoluten akustischen Hochgenuss. Dieser beginnt schon beim Opener The Failsafe, welcher einen schonend und - da isses schon - groovend an Deep Dive heranführt. Das Feature mit Dave von Annisokay ist fantastisch, die Stimmen der Schreihälse ergänzen sich perfekt und auch mit den Clean Vocals. Als Hutträger muss ich selbigen an dieser Stelle bereits ziehen. Hierbei wird auch die nötige Atmosphäre nicht vergessen und man bekommt als Hörer tatsächlich das Gefühl, man würde untertauchen - nicht nur in dem Album, sondern tatsächlich auch unter Wasser. Jedoch ist hier vor allem der Punkt "in dem Album" entscheidend. Die Songs sind mit einer Meisterhaftigkeit inszeniert und komponiert, dass es (mir zumindest) schier unmöglich ist, mich nicht völlig darin zu verlieren (an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass mich das Album einen Großteil meiner letzten Nacht gekostet hat). Aerith holt einen genau da ab, wo man von Deep Dive wieder aus dem Wasser geschmissen wird, und zieht direkt erbarmungslos weiter. Hierbei finde ich vor allem die Lyrics und die Melodik absolut herausragend. Schon während des ersten Hörens (dieser ersten Singleauskopplung) war das Album vorbestellt. Die, ich nenne sie mal "Spoken Words Passagen", die beispielsweise hier auf dem Album auftauchen, sind grandios umgesetzt, wie es schon beim Vorgänger der Fall war. Sie bilden somit ein Sahnehäubchen auf... naja, einem Sahnehäubchen. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass auf dem gesamten Album stets sämtliche Intrumente angemessen zur Geltung kommen - man kann beispielsweise ohne Probleme den Bass hören, etwas, was mir persönlich auf vielen Alben der letzten Jahre fehlt. Apodictic fährt weiter den Mittelweg zwischen ausgeklügelter Melodik und Ins-Gesicht-Gedjente. Der Refrain ist, und das ist apodiktisch (sorry Jungs), einer der großartigsten auf dem Album. Auch der Pre-Chorus fesselt mich hier bei jedem Durchhören nochmal aufs Neue und macht dabei jedem professionellen Bondage-Artist Konkurrenz. Das Ende des Songs kam für mich beim ersten Hören unerwartet, denn darauf könnte auch locker ein Breakdown anschließen. Jedoch. Jesu sei Dank nicht!
Das Level der Faszination lässt sich mit dem einer Sirene vergleichen, das diese auf den arglosen Seefahrer ausübt... oh, nanu, Sirens Chant. Wie passend. Hierzu muss ich nicht mehr sagen. Wunderschöne piano..eske Klänge zu Beginn werden zu einem djentigen, groovygen Delta und münden erneut in diesem Ozean der großartigen Komposition. Ich entschuldige meine blumenstraußige Sprache, aber anders ist es schwer in Worte zu packen. Jenova ist ein wunderschönes, immersives Intrumentalstück und liefert am Ende - Painkiller. Und, hurra!, eine überarbeitete Version davon. Nicht falsch verstehen. Die Single war großartig und schön roh, genau von dieser Rohheit hat man hier einen Schritt Abstand genommen und den Song mehr auf die melodische Schiene getrimmt - und das Resultat ist großartig. Müsste ich mich für eine der beiden Versionen entscheiden, ich würde mich schlichtweg weigern, umdrehen und fortgehen. Mit Warbringer befindet sich dahinter ein weiterer Gänsehautkandidat. Ich mag die lyrischen Aussagen der Band. Und ich kann mir nicht helfen, jedes Mal, wenn Sänger Frodo "You should be thankful, for we brought you war!" brüllt, überläuft es mich und ich werde schlichtweg zu einer Gans. Beim Anschlussstück Nibelheim - erneut ein wunderschön treibendes und JA, da ist es WIEDER, groovendes Instrumentalstück - kam wohl wieder Frodos Faible für Final Fantasy durch (für diejenigen, die es bei Aerith noch nicht bemerkt haben) und schlich sich auf die Trackliste von Failsafe: Entropy. Journey to Midgar bäumt sich langsam, ruhig und mächtig auf, um dann in einer meisterlichen Fusion von allem, was die Band zu bieten hat, zu erblühen, mir nochmal eine Ganzkörpererektion (=Gänsehaut) zu verpassen und letztendlich zu enden. Silver Linings hat erneut ein Feature aufzuweisen, Ex-WBTBWB und (current)-Desasterkids Iain Duncan. Schönes Feature, fügt sich fantastisch in die Gesamtkomposition ein und verpasst dem Track noch einen Nackenschlag mehr Rawness. Krasses Ding, das auch als Rausschmeißer dienen könnte, und andere Bands hätten wahrscheinlich genau hier aufgehört - aber Tell You What Now wären ja nicht Tell You What Now, wenn sie nicht Tell You What Now wären. Ich hoffe, meine Aussageabsicht ist hier ersichtlich. The Entropy ist ein unbeschreiblich mächtiger (und mein bisher am meisten gehörter) Track, in dem auch das obligatorische "Blegh" enthalten ist, was dem ganzen allerdings kein Bein bricht. Es wurde nicht reingezwungen, nein, ich kann mir sogar vorstellen, dass Blegh einfach in diesem Song wohnt, dort Zuhause ist oder zumindest eine Sommerresidenz hat. Die Drums und Gitarren sorgen hier wieder für einen Drive, der beim Gehen beflügelt und beim Autofahren harte Drifts einschlagen lässt. Frodos Gutturals (die für mich ganz nebenbei bemerkt mit denen von Spencer Sotelo die unverwechselbarsten und besten des kompletten Genres darstellen) untermalen diesen Song, dieses Gefühl mit der angemessenen Wut und Verzweiflung.
Ich würde mir wünschen, Tell You What Now mit Periphery auf Tour zu sehen. Periphery als Vorband, TYWN als Headliner. Verdient hätten sie es, meiner Meinung nach schon lange, aber ganz objektiv betrachtet spätestens seit diesem Album. Ein ganz heißer Kandidat auf den Titel "Album des Jahres", denn was hier geliefert wird, ist schwer zu toppen. Am liebsten würde ich euch einen Punkt abziehen, weil ihr keine 100 Lieder drauf gepackt habt, aber das wäre utopisch. Ich bewerte, was ich höre, und das ist sowohl technisch als auch musikalisch ganz großes Kino.
Nüchtern und objektiv wird hier technisch erstklassiger, progressiver Metalcore abgeliefert, mit dem sich die Jungs nicht verstecken brauchen. Die Songs sind abwechslungsreich und mitreißend, es wurde eine gesunde Mischung zwischen Prügel- und Mid-, manchmal schon fast Downtempo gefunden.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen