Band: The Northern
Album: Solstice
Genre: Metalcore
Release: 24.01.2017
Herkunft: Toronto, CDN
Rating: 8.5/10
The Northern. Eine junge Band, die sich 2013 unter anderem aus einigen Mitgliedern der Deathcore-Band Ascariasis formierte und noch im selben Jahr eine selbst produzierte EP (Imperium) ablieferte, die 5 progressive, teils djentige Metalcore-Songs allerhöchster Güte umfasste. Danach folgten die Songs Digitize, Revive und Matches - quasi drei Lieder in drei Jahren, jetzt nicht so die Bilanz, die ich persönlich mir gewünscht hätte. Jedoch war Ende Januar nun endlich Releasetermin des ersten Albums (den ich einfach mal komplett verpennt habe, GG...), und wo soll ich anfangen - das Warten hat sich definitiv gelohnt. Aurora weckt den Hörer mit sanften Synthiklängen, die gleich darauf in Solifer mit dick produzierten, schrappelnden Gitarren untermalt werden. Keine 30 Sekunden drin, brüllt schon Vocalist Nick Papageorgiou (der meiner Meinung nach einen der fantastischsten Namen unter der Sonne hat) los, was das Zeug hält. Im Huntergrund wird dabei munter gedjented und aufs Drusmet eingedroschen, bis - clean vocals. Moment, clean vocals? Ja, clean vocals! Zum ersten Mal seit Digitize lässt die Band ebendiese in ihre Musik mit einfließen, und tatsächlich nicht durch ein Feature - sondern ihren hauseigenen Drummer Adam, der, eben gerade in Solifer, einen fantastischen Job macht und an beiden Enden gehörig abliefert. Fette, mitreißende Drums und wohlklingende cleans. Jedoch muss ich an dieser Stelle gleich mal etwas nörgeln, da ich es nach einigen Durchgängen schade finde, wie sehr hier doch an das Gutturals-Cleans-Abwechslungs-Spiel "gestickt" wird. Das kann gut gehen, und auf den meisten Songs des Albums tut es das auch. Es ist nur leider sehr vorhersehbar und ein wenig Abwechslung hätte an dieser Stelle gut getan. Nauticus bringt ein Feature mit sich - Michael LaBelle von den Genrekollegen A Skylit Drive. Der macht einen guten Job und ergänzt Drummer Adam mit seinen cleans ganz ausgezeichnet, was dem Song einen interessanten und sehr eigenen Klanganstrich verleiht. Auch hier ist die Gitarrenarbeit wieder chuggy und djenty - aber eben nicht nur. Neben Palm Mutes kommt auch die Technik nicht zu kurz, die Mischung macht's, das hat man hier begriffen. Der Bass wummert gemütlich so über alles drüber und verleiht dem ganzen sozusagen die musikalische Schicht Käse. Er überbackt die Kulisse, und das klingt lecker. Alles prima, Nauticus ist ein absoluter Anspieltipps. Ataraxia macht an sich auch nichts falsch und fügt sich in das Gesamtkostüm ein, nur kann es leider - wie die meisten Lieder des Albums - in Sachen Eingängigkeit nicht mit Eclipse, einer instrumentalen Interlude, mithalten. Wer das letzte Walking Dead On Broadway Album (Slaves) gehört hat (hierbei sticht die Interlude 1110010 heraus), weiß, dass das schon mal vorkommen kann und nicht per se gegen die Qualität der anderen Songs sprechen muss - nur kann ich mir nicht vorstellen, dass es so gedacht war. Eclipse liefert zwei fantastisch komponierte Minuten Synthesizerkunst und hätte meinethalben auch doppelt so lange sein können - hört euch den Track mal an (ihr findet ihn hier), schließt die Augen, und schaut, was dabei vor eurem geistigen Auge entsteht. Polar Drift ist der Punkt, der mich bei jedem Durchhören zum Zähneknirschen bringt - hier wird mir das Spiel mit den cleans einfach zu übertrieben, ja sogar ein wenig erzwungen. Das ist schade, da der Song in Sachen Melodik und Komposition wirklich gut ist und auch Nick wieder über weite Strecken eine starke Performance abliefert. Erode hingegen bügelt diesen Makel wieder aus, prügelt den Hörer erneut ordentlich durch - und auch der Cleanpart ist wieder ok, sogar einer der besten des ganzen Albums. Matches ist mit fast fünf Minuten der längste Track des Albums und schafft es dabei nicht nur, die Aufmerksamkeitsspanne keine Sekunde abfallen zu lassen, sondern auch die Zeit scheinbar zu krümmen und die 5 Minuten wie 3 erscheinen zu lassen. Lyrisch wird hier reflektiert und das Vergehen einer Beziehung thematisiert, erneut untermalen einige stimmungsvolle Synthiklänge das Geschehen. Terra und Umbra bleiben dem Stil des Albums treu, befassen sich mit "overdrinking" als Bewältigungsstrategie (Terra) und den Auswirkungen von Medikamentenmissbrauch (Umbra). Die Band erklärte Umbra zu ihrem Favorit, meiner ist - neben Eclipse - ganz klar Terra.
Im Großen und Ganzen wird hier famose Arbeit geleistet und mein Gemecker bezüglich der clean vocals ist hochgesteckte Kritik. Chuggyness - check, djentyness - check, gute Lyrics - check. Lediglich die Abwechslung bleibt mir, wie erwähnt, ein wenig zu sehr auf der Strecke.
Starkes Debüt!
Anspieltipps: Nauticus, Eclipse, Erode, Matches, Terra.

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