Band: Deserted Fear
Album: Dead Shores Rising
Genre: Death Metal
Herkunft: Eisenberg, GER
Release: 27.01.2017
Rating: 10/10
Ich gebe zu, man könnte nun meckern und dieses Album als nicht mehr "ganz neu" bezeichnen - aber das wäre Erbsenzählerei. Womit wir auch schon beim Thema sind, denn Erbsen gezählt wird auf den 11 Tracks des Drittgeborenen von Deserted Fear keine Sekunde - dafür bleibt weder die Zeit, noch ist die Atmosphäre passend. Nachdem ich die Band Anfang letzten Jahres für mich entdeckt und mich in My Empire und Kingdom of Worms verliebt habe, war ich sehr gespannt, was als nächstes kommen würde. Ich musste nicht allzu lange warten, denn direkt zu Anfang des Jahres war es soweit - allerdings liegen zwischen Kingdom of Worms und Dead Shores Rising etwas über zwei Jahre und was soll ich sagen - Faulheit kann man den Mannen um Frontwindmühle Manuel nicht vorwerfen.
Das fantastisch komponierte Intro, bei dem vor meinem inneren Auge eine Armee aufmarschiert und eine blutige Schlacht stattfindet, wie es sie seit Generationen nicht mehr stattgefunden hat, führt den Hörer an The Fall of Leaden Skies heran. Dies ist dann auch die erste Stelle, an welcher der Hörer zu Boden gerissen und zum Krüppel getreten wird, und zwar von schlichtweg ALLEM, was guten Death Metal auszeichnet. Eine breites, schweres, düsteres, bedrohliches Riff zieht direkt zu Beginn wie ein Sturmtief auf und lässt - gefühlt - tatsächlich Blei regnen. Der Name des Songs könnte nicht treffender sein. Drums und Bass sind zudem von einer dermaßen satten Produktion, dass sie eine Art Kostüm darstellen, in welches der Song hineinschlüpft. Die Growls des Sängers bespritzen dieses Kostüm zusätzlich mit metaphorischem Blut und Eingeweiden, damit die Erscheinung auch ja nicht zu anheimelnd ist. Fantastisch.
The Edge of Insanity walzt von Sekunde 1 an munter weiter, mahlt die gebrochenen Knochen des Hörers zu Staub und beginnt, diese durch den immensen Druck, den der Track ausstrahlt, ganz locker über den gesamten Raum zu verteilen. Hier auch direkt noch ein dickes Lob an den Frontmann - die Vocals schaffen es, auf dieser schmalen Linie zwischen Brutalität und Unverständlichkeit zu wandeln, die Grenze dabei jedoch in keine der beiden Richtungen zu überschreiten. Feine Sache. Und fein ist das Stichwort, denn auch feine Melodien tauchen hier immer wieder auf, während konsequent durchgeschrappelt wird.
Ich als Kaffeeliebhaber muss diesen Song, dieses Album mit der ersten Tasse Kaffee am Morgen vergleichen. Es ist nicht einfach nur ein schmackhaftes Getränk, es ist eine Umarmung. Eine brutale Umarmung, die dir die Eingeweide Stück für Stück aus dem Körper drückt und dir unbarmherzig ins Ohr lacht, während du dein letztes Blut verlierst.
Ja, ich mag meinen Kaffee wie meinen Death Metal. Brutal.
Open Their Gates setzt den Triumphzug der Thüringer fort und stellt eines der absoluten Glanzstücke des Albums dar - aber mal ganz ehrlich, eine Death Metal Band, die aus EISENberg kommt, die kann auch nicht schlecht sein, oder? Corrosion of Souls ist vergleichbar mit einem Zug. Aus Knochen. Zusammengehalten mit Sehnen und angetrieben von geschmolzenem, glühendem Hass. Auf Schienen aus Groove und Drums. Death-Weltklasse, was hier abgeliefert wird. Keine erzwungen technische, aber eine qualitativ definitive. Die Interlude erinnert an das Orgelspiel eines verbitterten, verfluchten Schlossbesitzers zu Ehren seiner vor drei Jahrhunderten verstorbenen Tochter. Davy Jones kann einpacken. Wer jetzt allerdings mit Schonung gerechnet hat - keine Chance. Towards Humanity fährt genau dort ab, wo der Corrosion of Souls Zug kurz zuvor angehalten hat.
Hierbei möchte ich jetzt keine Klischees bedienen, aber dieses Album klingt auf eine inspirierende Art männlich. Ich möchte ein Monster aus Blei, Blut und Knochen erschaffen und zu The Carnage auf ihm um die Welt reisen, dabei die Dörfer der Unwürdigen (wer auch immer sie sein mögen) vernichten und meine Wut, meine Urgewalt an allem auslassen, was sich mir auf meinem destruktiven Pfad in den Weg stellt. Deserted Fear, was für ein zerstörerisches Orchester.
Der Gesamteindruck von Face Our Destiny: Bass. Und was für einer. Zwar ist dieser während des kompletten Albums präsent und liefert durchgehend auf hohem Niveau ab, hier jedoch übertrifft er sich selbst und schafft aus sich heraus eine Arche, die den Hörer mitsamt Album vor einem Sturm bewahrt und ihn gleichzeitig in dessen Auge treibt. Ein fantastischer Song, der das Ende der Platte bilden könnte - jedoch bleiben glücklicherweise noch knappe 9 Minuten unbarmherziges Geballer höchster Güte übrig. Till the Last Drop und Carry On kommen ebenfalls beide tief aus der Kraftschmiede und halten den Kurs des knöchernen Gefährts astrein - bis dieser sein Ziel erreicht.
Und spätestens wenn Manuel bei Carry On "I feel the weight crashing down on me" brüllt, bekommt man durch die geniale Komposition des Songs tatsächlich genau dieses Gefühl. Ziel erreicht.
Und spätestens wenn Manuel bei Carry On "I feel the weight crashing down on me" brüllt, bekommt man durch die geniale Komposition des Songs tatsächlich genau dieses Gefühl. Ziel erreicht.
Dead Shores Rising ist meiner Meinung nach das bisher stärkste Album von Deserted Fear. Selbst nach mehrerermaligem Durchhören finden sich hier immer noch neue, kleine akustische Schmankerl, die diese Gruppe kilometerweit aus der Masse des durchschnittlichen und "okayen" Death Metal - und dabei auch locker über Genrekollegen wie DevilDriver - herauskatapultieren. Ich freue mich immens darauf, die Jungs Ende April live erleben zu dürfen und sehne mich jetzt nach meiner Windmühlenfrisur.
Anspieltipps: The Fall of Leaden Skies, The Edge of Insanity, Open Their Gates, Face Our Destiny, Carry On
Anspieltipps: The Fall of Leaden Skies, The Edge of Insanity, Open Their Gates, Face Our Destiny, Carry On

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen