Band: dangerkids
Album: blacklist_
Genre: Post-Hardcore / Rock
Release: 27.01.2017
Herkunft: Dayton, Ohio, USA
Rating: 7/10
Das mit dem erwachsen werden ist schon so 'ne Sache. Und, gerade wenn man es Bands attestiert, nicht immer zwingend eine positive. Anders sieht es bei den dangerkids aus - im Vergleich zum Vorgängeralbum Collapse merkt man hier eine deutliche Entwicklung. Zwar ist man damit wie zu erwarten nicht in den Bereich der musikalischen Innovation vorgestoßen, aber auch nicht in die "oh, das kenn' ich doch schon von ner Million anderen Bands besser"-Sparte abgefallen. Und das alleine ist schon eine Leistung, die zu würdigen man sich die Zeit nehmen sollte.
Im Großen und Ganzen ist die Band ihrem Stil erfreulicherweise treu geblieben und stellt damit eine Art härteres Linkin Park der frühen 2000er Jahre dar. Wer also schon mit Hybrid Theory nichts anfangen konnte, sollte von dangerkids unbedingt die Finger lassen. Es gibt Rap-Parts, es gibt Clean Vocals von gleich zwei Sängern, und es gibt eben auch Screams. Dazu gibt es dicke Synthesizer-Parts, auf denen die Songs schwimmen. Die einfach gehaltenen Gitarre und Bass nehmen dabei größtenteils eine eher hintergründige, begleitende Rolle ein - zumindest für einen Löwenanteil der einzelnen Songs, bis es dann zu so etwas wie Breakdowns kommt. Stets präsent sind die Drums, an dieser Stelle Kompliment an Schlagzeugerin Katie Cole. Das Drumming passt hervorragend in die einzelnen Songs, drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund, nimmt sich zeitweise (z.B. bei Crawl Your Way Out) sogar sehr zurück. Innovativ getrommelt wird hier zwar zugegebenermaßen nicht, aber auf einem soliden Level.
Mit Crawl Your Way Out sind wir auch schon bei meinem Favoriten des Albums, mit einem sehr persönlich wirkenden Text, den bereits erwähnten Synthesizerwänden und schönen Effekten auf den Vocals - z.B. widerhallenden Echo-Vocals im Hintergrund. Ein Song mit klanglicher Tiefe.
Generell wirkt die Band auf vielen Teilen des Albums sehr ehrlich und nachdenklich, ein anderes Beispiel hierfür ist Inside Out, welches sich mit einem Thema und Gefühl befasst, das denke ich viele von uns kennen. Innerer Zerrissenheit im Bezug auf Liebe. Das soll unter die Haut gehen, und das tut es. Das Rezept aus Lyrics und Komposition funktioniert hier bestens. Chapeau dafür, auch wenn man hier mal wieder eben nichts Neues hat. dangerkids sind Meister dieser speziellen Sparte der Kunst, diese Art von Musik authentisch rüber zu bringen - ob es nun tatsächlich Biografiearbeit ist oder nicht, darüber will ich nicht urteilen. In Things Could be Different wird das Tempo mal ordentlich angezogen, die Gitarre tritt in den Vordergrund und... es gibt Group Shouts. War zu erwarten, hätte aber nicht gemusst. Der Song wäre gut ohne sie ausgekommen. Live wird es allerdings mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wie geplant aufgehen, generell sehe ich bei Things Could be Different schon die Moshpits der zahlreichen Festivals vor mir, auf denen dangerkids auch dieses Jahr wieder spielen werden.
Etwas ruhiger wird es wieder mit Ghost In the Walls und Nothing Worth Saving. Ersteres beginnt mit schön gelayerten Synthiklängen, zu denen sich dann langsam Drums und Gitarre dazu gesellen. Kurz darauf wird der Song lauter und lässt den Hörer noch ein paar Takte lang in diesem Intro verweilen. Es geht überraschend entspannt weiter, Bass und Drums, schöner Refrain mit Gitarre. Sahniger Downtempo-Song, manchem Zuhörer dürfte es hier aber ein wenig langweilig werden. Der Rap-Part reißt eine Kerbe in den Song und bringt die Abwechslung, auf die ich gewartet habe. Das muss man mögen, das ist indiskutabel. Nothing Worth Saving verfährt nach demselben Prinzip, variiert lediglich die Reihenfolge der auftretenden Instrumente ein wenig, funktioniert aber auch. Man wirkt wieder ehrlich. Man wiederholt sich halt, aber das ist okay. Bricht dem Album kein Bein. Singularity ist.... da - ich verstehe nicht, warum man diese 35 Sekunden Synthi nicht einfach gleich in Summoner's Rift integriert hat, aber okay. Man wollte wohl 11 Songs, denn als wirkliche Interlude kann man es nicht ansehen. An sich machen Summoner's Rift und Glass On Water nichts gravierend falsch, man stickt eben an dem Rezept, das sich bewährt hat, Lyrics hat man schon huntert Mal so oder so ähnlich gehört - aber läuft prima durch. Hinterlässt nur einfach nicht den bleibendsten Eindruck, lediglich das Solo in Glass on Water ist ein kleiner Glanzpunkt.
Invincible Summer ist so eine Sache. Wer Unmade vom Collapse-Album mochte, wird es wahrscheinlich lieben, wer Unmade nicht mochte, wird es, so wie ich, eher nach dem ersten Anhören auslassen. Es ist objektiv, rein von der Sache her kein schlechter Song, mir persönlich nur viel zu schnulzig. Jedoch unterscheidet er sich vom Rest des Albums dadurch, dass hier auf E-Gitarren und Getrommel verzichtet wird, lediglich eine Akustikgitarre begleitet die astreinen, kristallklaren Clean Vocals. Schön, dass an dieser Stelle die Abwechslung bedient wurde.
dangerkids machen keine großen Fehler. Es wird sich brav ans Rezept gehalten, die Fans bekommen die Musik, die sie auf dem Debüt gefeiert haben. Das ist, in Zeiten von drastischen Änderungen in der Musik vieler Bands, schön und erfreut mich als Freund von Collapse sehr. Abwechslung sucht man hier, abgesehen vom letzten Track, vergeblich. Schön klingen tut die Soße trotzdem.

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