Single: Circles (feat. Desiree Fery)
Genre: Metalcore
Release: 26.03.2017
Herkunft: Saarbrücken, GER
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Desiree Fery
Desiree Fery
Dawnwatcher, eine sehr junge Band aus Saarbrücken, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Depressionen ins Blickfeld der Szene zu setzen. Denn, sind wir mal ehrlich, wer möchte schon was über dieses Thema hören? Psychische Erkrankungen sind unangenehm, und als jemand, der selbst unter Depressionen leidet (und sich nicht zu schade ist, dazu zu stehen), habe ich es bereits häufig erlebt, wie die Gesellschaft psychisch kranke Menschen einfach aufs Abstellgleis schiebt, sich abwendet, unangenehm und peinlich berührt ist, laut schweigt oder das Thema einfach lachend ignoriert. Es ist eben nicht wie bei einem Schnupfen, für den kann man ja nichts. Den hat man sich ja nicht ausgesucht, und der geht auch schnell wieder weg. Gibt ja was von ratiopharm. Depressionen sucht man sich ja anscheinend aus, und hat man sie einmal - dann ist man verrückt, ein Freak, und vor allem sofort ein potenzieller Selbstmörder oder Amokläufer. Und ratiopharm? Naja, selbst die lassen einen da im Stich. Allein schon um der Message willen ist es mir ein Bedürfnis, euch diesen Song hier zu präsentieren.
Sie selbst beschreiben ihre Musik als eine Mischung aus Post-Hardcore, Metalcore und Hardcore und ja, das kann man unterschreiben (ich hatte das Privileg, mich vor einigen Tagen live davon zu überzeugen) - für diesen Song halte ich jedoch den Stempel des Metalcore für angemessen. Der Song wechselt - ganz ähnlich, wie das auch bei einer Depression sein kann und häufig ist - zwischen einer "lockeren", verträumten Atmosphäre und gnadenlosen Riffs, begleitet vom verzweifelten, kraftvollen Geschrei von Sänger André. Desiree Ferys bezaubernde, engelsgleiche Stimme setzt diesem Werk das Sahnehäubchen auf und, ganz objektiv gesprochen, hebt es alleine durch die Umsetzung von den allermeisten Debutsingles ab. Durch die Verbindung dieser Mittel gelingt es der Band astrein, das Thema und meiner Meinung nach auch das Gefühl der Depression angemessen zu vermitteln. Nachdem ich mir das Lied heruntergeladen habe (wofür ich übrigens noch bezahlen werde, jedoch könnt ihr es euch auch gratis ziehen), lief es locker 30 Mal hintereinander.
Ich kann nur empfehlen - hört es euch an, beschäftigt euch mit dem Text, beschäftigt euch mit dem Thema. Reflektiert euer Verhalten. Wenn ihr jemanden kennt, der Depressionen oder andere psychische Krankheiten hat, stoßt ihn nicht aus. Bietet ihm oder ihr Unterstützung, Schutz.
Wenn du selbst Depressionen hast, dann öffne dich ihnen, will heißen - nimm sie an. Setze dich mit ihnen auseinander. Das soll nicht heißen, dass du dich von ihnen auffressen lassen sollst. Aber Verdrängung funktioniert kein ganzes Leben.
Depression is no weakness.
Das Lied ist eine perfekte 10/10.
PS: "Normale" Reviews werden nun fortgesetzt, ich hatte über die letzten 5 Wochen (!) keinen Internetzugang. Vorschläge werden weiterhin entgegengenommen.

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