Dienstag, 9. Mai 2017

From Fall To Spring - A Better Tomorrow


Band: From Fall To Spring
EP: A Better Tomorrow
Genre: Post-Hardcore, Power-Alternative
Release: 16.04.2017
Herkunft: Neunkirchen, GER

Und mal wieder eine Band aus meiner lokalen Szene - und mal wieder nicht ohne Grund! Die Jungs von From Fall To Spring haben uns vor kurzem endlich mit ihrer Debut-EP beehrt, auf die - und ich bin sicher, dass ich da für einige Szenemitglieder aus der Gegend spreche - wir schon eine ganze Weile gewartet haben. Und um es kurz zu machen, das Warten hat sich gelohnt!

Mit A Better Tomorrow steht der Titeltrack gleich am Anfang der EP und stimmt den für Soundexperimente offenen Hörer erstmal mit fetten Synthiklängen ein. Hier werden sich wahrscheinlich bereits die Ersten ausklinken, für die "richtige" Musik keine Electronica-Elemente enthalten darf. Das ist selbstverständlich Geschmackssache, indiskutabel. Ich persönlich könnte dabei jedoch direkt anfangen, zu tanzen. Nur kann ich leider nicht tanzen, deswegen beschränkt sich das bei mir auf rhythmisches Mit-dem-Kopf-nicken.
Erbärmlich, ich weiß.
Trotz allem. Der Song nimmt nach wenigen Sekunden bereits grandios Fahrt auf und schon nach 40 Sekunden findet man sich im übelsten - und wirklich fantastischen! - Gegrowle von Frontnase Philip wieder. Wirklich ein ziemliches Brett. Der Synthi bleibt ein zentrales Element und mischt sich homogen unter die übrigen, wirklich gut abgemischten Instrumente. An dieser Stelle muss ich direkt mal vorgreifen und ganz ehrlich sagen - From Fall To Spring haben einfach Wiedererkennungswert. Durch die Verbindung von klassischen Elementen des Post-Hardcore mit einem fetten Electronica-Synthesizer weiß man einfach nach wenigen Sekunden, wen man da genau hört. Klar, tausendundeine andere Band haben schon Post-Hardcore und Electro gemischt - aber eben nicht so. Vergleichsbeispiel Born of Osiris - ja, auch ca. eine Million Death-/Metalcore-Bands haben bereits Electronic in ihren Liedern untergebracht - aber da ist es eben, nicht so. Man erkennt sofort, wer am Werk ist. Dicker Pluspunkt an dieser Stelle, und das zählt für die komplette EP.
Der Anschlusstrack Here Alone bereitet mir einige Schwierigkeiten, einfach weil er mir stilistisch weniger zusagt als der Rest der EP. Objektiv gesehen gibt es hier allerdings auch nichts zu bemängeln - die Produktion ist top, auch wenn sie an dieser Stelle für mein Gefühl eher ins punkige geht. Das ist interessant und sorgt für ungeheuer viel Abwechslung. Der Bass wummert gemütlich im Hintergrund, die Gitarren sind mitreißend und die Drums sind on point. Der obligatorische Synthi tut auch hier wieder seinen Dienst, und wieder tut er ihn gut.

Es folgen meine beiden Favoriten Never Meet Again und Sleepless. Ersterer klingt in Sachen Produktion erneut eine Spur punkrockiger als A Better Tomorrow - was prima ist, da er auch musikalisch in diese Richtung schlägt. Jedoch leistet auch hier Keyboarder Simon einen tollen Job und trägt wieder einen großen Teil zum einzigartigen Sound der Band bei. Der Refrain macht enorm Bock auf Liveshows (auf denen FFTS seit jeher zu überzeugen wissen!) und der Break - was soll ich sagen, der Break lädt zur völligen Eskalation ein. Ich bin wahrlich beeindruckt davon, wie sehr sich auch Philip in den letzten Jahren noch verbessert hat, egal, ob an der Scream-, Growl- oder Cleanfront. Chapeau.
Sleepless ist eins dieser Stücke, das direkt zum Mittanzen - an meiner Stelle wieder zum Nicken - einlädt. Durch einen unglaublich starken Refrain mit mitreißenden Drums und einem allgemein gemütlichen Gewand aus - na klar - Synthi und angenehm chuggenden Gitarren während der Strophen ist es hier quasi unmöglich, still stehen zu bleiben. Anstatt eines schon tausendmal dagewesenen Breakdowns entscheiden sich die Jungs auch hier wieder für einen groovenden Breakpart. Einfallslosigkeit oder Feigheit, was Experimente angeht, kann man den Herren wirklich nicht vorwerfen, dafür bieten sie keine Grundlage.

Should I Stay beginnt langsam und nachdenklich. Das Tempo variiert während des Songs nur geringfügig, wir haben hier einen der wahrscheinlich downtemposten (ja, das ist jetzt ein Wort) Songs, die die Band je zustande gebracht hat. Der Stimmung tut das absolut keinen Abbruch, im Gegenteil. Erneut steht der Song durch genau diesen Punkt in Kontrast zur restlichen Scheibe, an keinem Punkt wird sich hier wiederholt - abgesehen natürlich davon, dass man auf das übliche Schema bzw. Gewand der Songs zurückgreift. Aber das ist nun wirklich nichts, was man kritisieren sollte. Ansonsten müsste man Cannibal Corpse seit Jahren vorwerfen, dass die in jedem Song Gitarren, Drums, und Bass benutzen. Und sterbende Schweine. Das wäre kleingeistig.

Es folgt der letzte Song der Platte, Someone to Follow - und bei dem Gedanken daran, dass dieser sich bereits seit 5 (!) Jahren ununterbrochen auf meinem MP3-Player befindet, fühle ich mich alt. Jedoch spricht diese Tatsache meiner Meinung nach voll und ganz für die Qualität dieses Songs. Die Lyrics handeln von Schwarmdasein und laden zum Nachdenken ein, während die Gitarren und Drums ihrerseits zum Moshen und Tanzen (und Nicken, Anmerk. der Red.) einladen. Der Bass ummantelt das Gesamtwerk mit dem nötigen "Bauch", besser zu beschreiben ist es nicht.

Fazit: From Fall To Spring haben einen beeindruckenden Erstling abgeliefert. Der klingt musikalisch mal mehr nach Post-Hardcore, mal mehr nach Punk, und mal mehr nach Alternative - aber eben immer nach FFTS. Und gerade von dieser Tatsache können  und sollten sich haufenweise Bands und Musiker, die national und international bekannt oder bekannter als diese Jungs sind, eine dicke Scheibe abschneiden. From Fall To Spring haben sich eine musikalische Nische geschaffen, in die ich sonst keine andere Band stecken würde. Sie klingen eben wie sie, prinzipiell hätten sie das Genre auch From Fall To Spring taufen können. Power-Alternative tut's aber auch.
Anspieltipps: Lied 1-6

Eine absolut verdiente 10/10.

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