Band: Hester Prynne
Album: The Goswell Divorce
Genre: Deathcore
Release: 26. Mai 2009
Herkunft: Kansas City, Kansas, USA
Hester Prynnes The Goswell Divorce geht los, wie man es von einem Deathcore-Album im Jahre 2009 erwarten konnte bzw. musste: mit einem kurzes Intro, das bereits klare Verhältnisse schafft. My Horoscope Just Reads 'Doom' erinnert mich direkt an As Blood Runs Blacks Allegiance-Intro. Aber irgendwie klangen die damals ja auch alle gleich: Breakdowns, Ge-Breeeeeeeeuuuuuugh und nice Drums. Das ist schön, das ist stumpf, das ist stimmig. Ich mag Deathcore á la 2009. That Night a Forest Grew macht ordentlich Tempo, glänzt mit einem scharfen Riff und... Breakdowns. Cool. Hatte man zwar selbst 2009 schon hundertmal gehört, aber das macht es nicht schlechter. Mit Casketing folgt gleich darauf mein Favorit des Albums: die Gitarren zeigen, was sie können, die Drums treiben den Song voran wie beheugabelte Bauern ihr Opfer bei einem Spießrutenlauf. Teilweise mit Blastbeats, teils mit Doublebassgewitter. Die Vocals sitzen und bewegen sich hier - wie auch auf dem ganzen Rest des Albums - zwischen heftigen Lows, relativ verständlichen Highs (keine Selbstverständlichkeit!) und, natürlich, ein paar Pig Squeals. Ich gebe zu, an Casketing bin ich hängen geblieben (und es rief mir meinen dummen Wortwitz "Ich möchte dir etwas sargen" wieder ins Gedächtnis... danke). Der Song endet mit einem alleszerstörenden Monster von Breakdown, von dem sich viele aktuellere Songs eine Scheibe abschneiden könnten.
All Roads Lead to Hell bietet wenig neues, abgesehen von dem st-st-stotternden Anfang. Jedoch rate ich spätestens bei diesem Song dazu, den Bass aufzudrehen - denn damit macht er wesentlich mehr Spaß. Die Bass Drops der Jungs sitzen, daran gibt es nichts zu meckern.
Leann Legore exerziert die bewährte Prügel-Grunz-Formel weiter astrein durch, und es kommt ein wenig Durchzugstimmung auf, bis das Lied mit einem unerwartet (und ja, ich nutze dieses Wort nun tatsächlich) schönen Solo überrascht. Das stimmt versöhnlich für die - bisher - stark mangelnde Abwechslung. Bad for Business hat mich kalt erwischt, ich sah nur 1:39 und bereitete mich mental auf eine Breakdownhagel-Interlude vor - damit ich dann mit einem Beat überrascht werde, bei dem ich jede Sekunde erwarte, dass Mike Shinoda oder sonst jemand losrappt.
Ich gebe zu, ich habe sehr gelacht.
Das Lied endet im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall und der Titeltrack schließt sich an. Über den Rest des Albums kann ich nicht wirklich viel neues berichten. Weiterhin wird durchexerziert, was die erten 5 Songs reibungslos funktioniert hat - und das tut es weiterhin, keine Frage. Die Gitarren bauen nette Parts zwischen und hinter den Breakdown-Passagen ein, die Drums prügeln weiterhin gnadenlos und die Vocals - nunja, sind eben weiterhin "voll 2009". Der Bass dröhnt aus den Boxen, das ganze Ding funktioniert. Ich hätte mir trotzdem ein wenig, nunja, Abwechslung gewünscht. Abgesehen von Bad for Business findet man die hier nämlich genau gar nicht. The Courtship of Wolves and Sharks wartet in der zweiten Hälfte mit einem entspannenden Intrumental-Outro auf und beendet die Scheibe mit einer gewissen Sanftheit. Ganz großen Dank an Hester Prynne dafür - denn ich persönlich bin kein großer Freund von (gerade) Deathcore-Alben, die bis zur letzten Sekunde des letzten Tracks noch die Blastbeats anziehen. Das Outro gleicht für mich persönlich die vielen Momente aus, an denen ich mir dachte "oh wow, ein Breakdown, wie originell".
An dieser Stelle sei jedoch noch erwähnt, dass Deathcore 2009 jedoch schlicht und ergreifend so war. Hester Prynne leistet hier durchweg gute Arbeit und leistet sich meiner Meinung nach keine besonders erwähnenswerten Fehltritte. Jedoch ziehen einige Lieder aufgrund der Gleichförmigkeit vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Anspieltipps: That Night a Forest Grew, Leann Legore, The Goswell Divorce, The Courtship of Wolves and Sharks.
Rating: 7/10

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