Sonntag, 21. Mai 2017

Slaughter to Prevail - Misery Sermon


Band: Slaughter to Prevail
Album: Misery Sermon
Genre: Deathcore
Release: 05.05.2017
Herkunft: Russland
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Slaughter to Prevail sind ein Phänomen: trotz der unendlich plakativen Härte ihrer Debüt-EP gingen sie nach Release selbiger in Sachen Popularität durch die Decke wie Musik aus dem Partykeller. Zugegeben, ja, Chapters of Misery war ein ziemliches Brett. In Sachen Härte stand sie genreprägenden Alben wie Allegiance um nichts nach, einigen Ex-Vorreitern (wie beispielsweise Suicide Silence schon zu diesem Zeitpunkt) trat die EP mit Anlauf ins Gesicht. Misery Sermon setzt thematisch in etwa da an, wo die EP aufhörte: bei quasi allem, was schlecht ist.
Zunächst einmal möchte ich kurz erwähnen, wie genial ich es finde, dass Alex Shikolai seine Band mit seinem Russian Hate Label verbindet, indem er seine Maske schlichtweg auf dem Albumcover und in quasi jedem seiner neueren YouTube-Videos platziert. Man mag das dreist nennen, und ja, das ist es. Keine Frage. Aber dreist kommt weiter. Ich find's genial. PR vom Feinsten, die auf dem Album sogar noch einen großen Schritt weiter geht.

Hat man es nämlich irgendwie geschafft, den Titeltrack und Opener Misery Sermon zu überleben (was ich wahrlich nicht garantieren würde, bei der Härte, die dieser Track vorlegt), folgt Russian Hate. Wie bei allen anderen Tracks (außer Misery Sermon und Cultural Ills) wechselt Alex Shikolai zwischen englisch und russisch. Was ich daraus gelernt habe - ein Breakdown klingt wesentlich brutaler, wenn er von einem CYKA anstelle eines FUCKs begleitet wird. Und wenn ich mir in meinem digitalen Booklet die englischen Lyrics anschaue, bin ich zugegebenermaßen recht froh, dass ich die russischen nicht auch lesen muss. Denn auf lyrischer Ebene treibt man sich hier leider in äußerst sumpfigen Gefilden rum (Beispiel: As hideous beasts, we bring death and misery / You will watch as everything you love dies). Klar, mag man jetzt sagen, was soll man von einer Band mit diesem Namen anderes erwarten - aber eine solche Plattheit enttäuscht mich immer wieder.
Ja, zugegeben, der russische Teil klingt trotzdem beeindruckend. An dieser Stelle gestehe ich auch, mir einfach aus Selbstschutz keine Übersetzung anzuschauen.

Chronic Slaughter und King zerbrezeln weiterhin sämtliche Gehörgangpassagen und lunzen rein, was das Zeug hält. Dabei glänzt Chronic Slaughter allerdings durch einige fantastische Slam-Einlagen und Tempowechsel, wohingegen King ein wenig verblasst. Failed Hope beginnt interessant und Shikolai demonstriert ohne große Konkurrenz, wie unglaublich böse seine Vocals klingen können. Zudem glänzt das Lied kurz vor der Mitte mit einem der vernichtendsten Breakdowns auf diesem Album, an den sich etwas Melodik anschließt - nicht schlecht, da bläst Abwechslung rein! Gegen Ende schleichen sich ein paar Gang-Shouts ein und vor meinem inneren Auge sehe ich den Moshpit explodieren. Born to Die verläuft in etwa nach demselben Schema, Shikolais Vocals dominieren den Anfang, steigern sich mit Gang-Shouts zu einem Todeskanon, aus dem heraus letztlich eine melodische Lead-Gitarre geboren wird - die leider viel zu schnell wieder in einem Breakdown endet. Da können auch die eingestreuten Blastbeats wenig rausreißen, und der Bass - naja, der tut nichts eigenes. Er spielt eben, was die Gitarren spielen, und wummert so rum. Das ist schade, mit wenig Mehraufwand hätte man da an vielen Stellen noch eine ganze Ecke mehr rauskitzeln können. 666, The Hell In Man und Malice of Rites schlagen ebenfalls mit dem Quartzhandschuh voll auf die Fresse, können dabei allerdings nicht sonderlich glänzen. Hier liegt wieder das Problem vieler Deathcore-Bands vor - ja, die Songs ballern und sie sind gut. Wenn sie vorbei sind, sind sie jedoch schnell vergessen. Am ehesten glänzt hier noch Malice of Rites durch die recht überraschenden Downtempo-Passagen und den Slam-Part am Ende.

Das Intrumentalstück Below gewährt eine kurze Verschnaufpause, und wie das bei Instrumentals vor dem letzten Track eben der Fall ist - einmal tief durchatmen, denn jetzt wird's brutal.
Cultural Ills macht schon innerhalb der ersten 10,7 Sekunden klar, dass der Endspurt Richtung Hölle begonnen hat. Hier liegt ohne Zweifel das beste - und gleichzeitig brutalste - Stück der Platte vor. An keiner Stelle wird hier das Rezept verändert, jedoch wird es außergewöhnlich gut bearbeitet. Die Drums legen krasse Tempowechsel vor, teilweise mischt sich eine psychedelisch anmutende Melodie in den Hintergrund - absolut krass. Passend zum Ende des Albums (und der Welt) wird hier noch einmal der brachialste Breakdown seit dem Ende der Sowjetunion auf den Tisch gelegt. Mein Inneres gleicht bei diesen Klängen der Apokalypse, daraus mache ich keinen Hehl.

Abschließend bleibt wenig zu sagen - STP sind, wie ich oben schon erwähnte, geradezu plakativ und schon fast lächerlich hart. An einigen Stellen wirkt dies sehr erzwungen, an anderen (siehe Cultural Ills) funktioniert das gut. Extrem gut. Hier fehlt, wie leider schon auf der Chapters of Misery EP, die Abwechslung. Ein Feature beispielsweise hätte da schon extrem geholfen - Ben Duerr, Tom Barber, CJ McMahon, Dickie Allen oder sogar Eddie Pickard. Zu Chapters of Misery Zeiten konnte man sich ja auch schließlich Lucas Mann von Rings of Saturn leisten.
Trotz dieser Schwäche ist das Album solide und widerlegt (zum Glück) erneut Eddie Hermidas Aussage, dass Deathcore tot sei. Deathcore lebt.
Es lebe der Deathcore.

Anspieltipps: Chronic Slaughter, Failed Hope, Below, Cultural Ills

Rating: 8/10

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