Montag, 27. Februar 2017

Suicide Silence - Suicide Silence


Band: Suicide Silence
Album: Suicide Silence
Genre: Nu Metal / Alternative Metal / Death Metal
Release: 24.02.2017
Herkunft: Riverside, Kalifornien, USA
Rating: 2/10

Ich habe mich schon immer gefragt, wie es klingt, wenn ein Hummer gekocht wird.
Da gibt es diese Band, Suicide Silence. Die haben mal ein Album raus gebracht, das hieß The Cleansing. Das fand mein 14-jähriges Ich ganz ganz toll, denn es war eins der ersten härteren Alben, die es kannte. Das zweite Deathcore Album nämlich (das Erste war As Blood Runs Blacks Meisterwerk Allegiance... hach ja). Mein 14-jähriges Ich hat sich damals 5 Stunden in seinem Zimmer verbarrikadiert und The Cleansing rauf und runter gehört, angefangen, diese Band zu lieben. Dies nur als kleine Vorgeschichte, um meine Begeisterung für die Band Suicide Silence auszudrücken.

Disclaimer: ich werde hier keine Vergleiche zu Korn oder Deftones fallen lassen, schon alleine, da ich diese Bands viel zu wenig (bis gar nicht) höre, um mir darüber eine fundierte Meinung bilden zu können.

Ich habe kein Problem mit Veränderungen. Wirklich nicht. Ich kann über den Tellerrand hinaus blicken, ich kann neue Einflüsse würdigen, ich kann sie auch mögen. Was dabei mein Kriterium darstellt, ist schlichtweg die Umsetzung. Es gibt Bands, die machen gute Musik - und es gibt Bands, die machen schlechte Musik. Das gibt es im Hardcore, im Rock, im Jazz - und eben auch im Deathcore. Für mich ist Suicide Silence mit diesem Album zu einer Band geworden, die schlichtweg schlechte Musik macht. Ganz unabhängig davon, welchem Genre man sie nun zuordnen möchte. Scheiß auf Genres. Suicide Silence haben sich selbst einen qualitativen Standard geschaffen, an dem sie sich nun mal leider messen lassen müssen. Kurzum: selbst, wenn sie nun Jazz spielen würden, könnten sie es gut machen - oder eben so, wie sie es auf Suicide Silence tun.

Doris ist ja mittlerweile schon nicht mehr ganz so neu, jedoch konnte ich mich immer noch nicht damit anfreunden - an diesem Song stört mich kurz gesagt einfach ALLES. Es beginnt bereits VOR dem eigentlichen Song, ich habe einfach keine Lust, mir Zwischengespräche aus dem Studio anzuhören. Aber das ist verkraftbar. Jedoch geht es weiter mit Eddies amateurhaft und schmerzhaft klingenden Screams (ganz ehrlich, so klang ich in etwa, als ich gerade mit Screaming angefangen hatte), dem uninspiriertesten Drumming, das ich seit langem gehört habe (und das setzt sich leider durch einen Großteil des Albums fort, an dieser Stelle Cheers an Drummer Alex), den - zwar irgendwie groovenden, dabei aber entsetzlich aufgesetzt wirkenden - Riffs und letztendlich selbstverständlich diesen grausamen Stöhn-Vocals im Refrain, die mich selbst nach dem zehnten Anhören noch belustigen. Silence sticht leider genau da erneut zu, wo Doris aufgehört hat, und ehrlich gesagt - viereinhalb Minuten tatsächliche Stille wären qualitativ hochwertiger gewesen. Zumal Hermida den Song direkt wieder mit seinen Stöhn-Vocals beginnt und böses Lachen nur dann cool ist, wenn es von Disturbed-Sänger David Draiman kommt. Das Drumming bleibt platt und langweilig, die Riffs chuggen lieblos vorbei. Kurz nach der dritten Minute keimt die Hoffnung auf, das Lied sei vorbei - nein.
Listen bleibt zu großen Teilen genauso langweilig wie seine beiden Vorgänger. Zu Beginn hatte ich Hoffnung für den Song - ein Riff, wie es sich auch auf Slipknots Iowa hätte befinden können, und ein Coreytayloresquer Scream - das war's dann aber auch schon wieder. Der Song startet stark, fällt aber schon nach weniger als einer Minute in die große Langeweile ab. Das kann auch das schicke Solo knapp hinter der 2-Minuten-Marke nicht retten. Irgendwo nach vier Minuten wird es zum ersten Mal auf dem Album tatsächlich interessant, der Bass und die Drums schaffen mal so etwas wie einen guten Rhythmus -  warum nicht mehr davon? An dieser Stelle möchte ich den Bass jedoch lobend erwähnen, der auf großen Teilen des Albums das Highlight darstellt. Der Song provoziert während der fünfeinhalb Minuten Spielzeit erneut Langeweile, spätestens nach dem zweiten oder dritten Durchgang ist auch hier die Luft raus.
Auf Dying In a Red Room war ich sehr gespannt, da der Song in Vorabreviews teilweise sehr gelobt wurde - und ja, Hermida beweist hier, dass er tatsächlich singen kann. Auch hier schwingt ein dermaßen starker 2001-Slipknot-Vibe mit und das Drumming während der Strophen enthält interessante Elemente. Enttäuschend ist hier der monotone, scheinbar lieblos hingeklatschte Chorus - und kurz nach dem zweiten davon hat sich offenbar eine Biene in die Aufnahme geschlichen und betäubt mein rechtes Ohr mit ihrem Gebrumme. Schrecklich. Ab Minute 4 beginnt das Outro, es soll wohl leicht psychedelisch anmuten - wirkt aber leider mehr, als wäre die Band einer kollektiven, schweren geistigen Behinderung verfallen. Allen voran Hermida. Was man sich hierbei gedacht hat, hinterfrage ich bewusst nicht mehr.
Ich habe mich schon immer gefragt, wie es klingt, wenn ein Hummer gekocht wird. Nicht, dass ich es wirklich ernsthaft hätte wissen wollen, aber nach den gequälten.. pig-squeal-esquen Einlagen, Grunzern und High Screams in Hold Me Up, Hold Me Down habe ich davon leider eine gute Vorstellung. Der Song ist in etwa so aufregend wie ein unbeschriebenes Blatt DIN-A4-Papier und langweilt - leider - erneut mit seiner Dauer. Bis zum Chorus passiert im Folgetrack Run schlichtweg - nichts. Und auch dort wirkt Suicide Silence wie eine von Slipknot inspirierte Garagenband und Hermida erneut wie ein zweiter Corey Taylor. Dieser Song besteht quasi aus 2 Parts, die einfach ein paar Mal hintereinander klamüsert wurden - und ja, auch das kann funktionieren und tut es oft. Hier jedoch nicht, es langweilt und macht mich ein wenig traurig.
The Zero beinhaltet nach etwas über vier Minuten tatsächlich eine gute (ZU KURZE!) Passage, die in etwa meine Gefühle beim Anhören dieses Albums zusammenfasst. Und schon während der ersten Minute von Conformity fühle ich mich so in die Stone Sour Ecke geprügelt, dass ich nervöse Zuckungen bekomme. Der Song plätschert und klimpert vorbei wie ein kleiner Frühlingsbach, Hermida beweist erneut seine Gesangskünste - aber was hier fehlt, ist catchyness. Was mich an Don't Be Careful, You Might Hurt Yourself am meisten stört, kann ich noch nicht mal sagen - dass man hier wieder härter abliefert, dafür aber genau so grottenschlecht und uninspiriert? Möglich. Dass am Ende des Songs circa eine Minute fröhlich gepfiffen wird? Möglich. Dass ich weitere 4:22 meines Lebens an dieses Album verloren habe? Möglich.

Suicide Silence haben sich selbst beerdigt. Das muss man ihnen zugestehen. Sie haben sich gesagt 'fick doch die Fans, scheißegal, was die wollen. Wir machen unser Ding.' Ja, schön und gut. Ich als Musiker würde dasselbe tun. Warum Eddie Hermida jedoch einfach nur noch grauenhaft schlechte Vocals von sich gibt - außer an den erwähnten Stellen -, Alex Lopez die Drums spielt, als hätte er damit gerade erst angefangen, und die Gitarristen scheinbar auch keine rechte Lust zu haben scheinen, weiß kann ich jedoch nicht nachvollziehen.
Lediglich der Bass hat immer mal wieder interessante Auftritte, die hörenswert sind. Über die Produktion möchte ich mich hier überhaupt nicht mehr auslassen. Ein ausgedehntes, trauriges Kopfschütteln ist das Einzige, wozu ich noch in der Lage bin. Und ich möchte nicht Lucker und Hermida vergleichen, denn Lucker ist Lucker (gewesen) und Hermida Hermida. Jedoch bin ich mir sicher, dass es dieses Album mit Lucker nicht gegeben hätte.
Und das wäre schön gewesen.

Am bittersten ist die Attitude, die vor allem Hermida in einem Interview zur Schau stellt. Ein solches Album abliefern, und sich als große Heilsbringer der Deathcore-Szene zu sehen. Der Deathcore Szene geht es gut, so gut, wie schon seit langem nicht mehr, finde ich. Carnifex' Slow Death war ein großartiges Album, Science of Sleeps Hellmouth und Walking Dead On Broadways Slaves sind alles Platten, die sich nicht zu verstecken brauchen. Um von Lorna Shores Flesh Coffin gar nicht anzufangen.

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