Band: Aversions Crown
Album: Xenocide
Genre: Deathcore
Release: 20. Januar 2017
Herkunft: Brisbane, Australien
1. Void
2. Prismatic Abyss
3. The Soulless Acolyte
4. Hybridization
5. Erebus
6. Ophiophagy
7. The Oracles of Existence
8. Cynical Entity
9. Stillborn Existence
10. Cycles of Haruspex
11. Misery
12. Odium
Ja, zugegebenermaßen ist der Release dieser Scheibe schon ein paar Tage her - jedoch hat sich kaum ein Album für mich je so gedreht wie dieses. Ich hatte vor einigen Wochen das Vergnügen, Aversions Crown live zu erleben - und ihre Darbietung war mehr als abgefahren. Im Anschluss hab ich mich erneut mit diesem bösen Kerl auseinandergesetzt und möchte euch dazu ein paar Takte erzählen - denn wie ich finde, werden ihm Reviews wie beispielsweise jenes hier auf metal.de objektiv gesehen schlichtweg nicht gerecht.
Void ist ein Intro, das seinen Dienst tut - es führt bedrückend, synthesizerlastig und irgendwie fremdartig an die ganze Alieninvasions-Thematik heran, mit der sich diese Band (warum auch immer das im Moment so im Trend ist) auf Xenocide auseinandersetzt. Das ist jetzt kein besonderes Hexenwerk, aber stimmig gemacht. Prismatic Abyss jedoch legt dieses Gehabe schnell ab und wechselt in den absolut aggressiven Aufsmaulmodus. Und den beherrschen Aversions Crown einfach gut - was nicht zuletzt den drei 8-Saitern (!) geschuldet ist, mit denen der Hörer weggewalzt wird. Tempowechsel zwischen schnell und beinahe schon zu schnell, Breakdown-Riffing, das auch gerne mal schwarzmetalllastig schmeckt und Double-Bass-Attentate ohne Ende bauen hier das Grundgerüst für Mark Poidas Gegrunze und Geschrei sowie die eine oder andere melodische Einlage der Gitarre. Beinahe vier Minuten gibt es hier gnadenlos ins Gesicht, bis The Soulless Acolyte übernimmt - und quasi genauso weitermacht. Ja, auch dieser Song hält das Tempo, die Drums (welche live exzellent umgesetzt werden - Hut ab!) geben Doppelvollgas - jedoch ist das Riffing hier deutlich deathlastiger als noch im Vorgänger. Von Effekthascherei kann man hier zwar gerne sprechen - jedoch sollte man dabei auch den Drop und seinen Freund, den heftigen Breakdown kurz nach Songmitte nicht vergessen. Allgemein wird auch The Soulless Acolyte durch die durchgängig vorhandene Melodie der Gitarre zu einem "passenden Song". Hybridization greift wieder zur Synthesizerintro-Keule, wächst sich dann jedoch ebenfalls zu einem Monster von Song aus - gespickt mit technisch brillanter Instrumentation. Auch wird hier erstmals das Tempo etwas raus genommen - sahnige Soße, mehr kann ich dazu nicht sagen.
Erebus ist jedoch ohne Frage das Herzstück der Platte. Grandiose Melodien, überlagert mit dem bösartigen Riffing der Jungs, einem nach Live-Shows Sehnsüchte weckenden Refrain inklusive dezenten, rhythmischen Bassdrops und einem Schlagzeug, das sich auch zeitweise mal zurücknehmen kann - ein Meisterwerk und fraglos einer der stärksten Deathcore-Songs des Jahres. Hier geht es um wesentlich mehr als den zugegeben enormen Breakdown, das ist offensichtlich. Ruhig werdend neigt sich der Song dem Ende zu und entlässt uns beinahe schon melancholisch (das ist der Moment für den Replay-Button), bis sich Ophiophagy anschließt - ein weiterer starker Track. Hier wird wieder aggressiver vorgegangen und intensiv mit Breakdowns und Synthesizer gearbeitet.
Zweites Highlight des Albums ist The Oracles of Existence - prinzipiell zeigt der Song nur gegen Ende kurzzeitig Gnade mit dem Hörer, jedoch ist auch hier die Komposition erstaunlich und bemerkenswert. Hier wird aus allen Rohren Vollgas gegeben, jedoch auch dabei die Melodik nicht vergessen. Selbst während eines obszön bösen Breakdowns unter inbrünstiger Unterstützung Mark Poidas bleibt diese erhalten. Mein dringender Anspieltipp Misery besticht durch die Gitarrenmelodie, die quasi den kompletten Song wie ein Miasma überlagert und ihm damit eine interessante Note verleiht.
Zugegebenermaßen, Xenocide nervt an gewissen Punkten, ja. Cycles of Haruspex beispielsweise macht von Beginn an Ausflüge in Slam-Gefilde und ich bin dankbar, dass die Band sich ansonsten dort raus hält. Cynical Entity nervt mit der Gitarre zu Beginn und ist auch ansonsten kein sonderlich überragender Song. Stillborn Existence und Odium tun niemandem wirklich weh - jedoch hinterlassen sie keinen bleibenden Eindruck bei mir und ich bin sicher, dass man diese vier Songs einfach hätte weglassen können. Dann hätte man immer noch ein 8-Track Album gehabt, jedoch no fillers just killers. Wäre schön gewesen.
Jedoch sind die starken Songs, allen voran Erebus und The Oracles of Existence, qualitativ umso beeindruckender. Ich bin seit der starken Live-Leistung der Jungs extrem beeindruckt und freue mich auf einen neuen Silberling. Da darf die Produktion dann auch gerne etwas roher und sparsamer ausfallen. Dick im Weg stehen tut der Stil hier zwar nicht, jedoch ist er am Anfang ein wenig gewöhnungsbedürftig - besonders, wenn man mit Alben wie Allegiance aufgewachsen ist.
Rating: 6/10
Anspieltipps: Erebus, Ophiophagy, The Oracles of Existence, Misery

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