Band: Rise Against
Abum: Wolves
Release: 9. Juni 2017
Genre: Melodic Hardcore
Herkunft: Chicago, Illinois, USA
...da browst man gemütlich (und hirntot) über facebook, nur um plötzlich einen Post zu sehen, in dem die Posterin eine Katze als "kleines Fellpopochen" bezeichnet. Wieder mal dachte ich spontan daran, mich umzubringen, dann jedoch kam mir eine bessere Idee: zum zehnten Mal das neue Rise Against Album hören.
Und meine 2 Cents dazu schriftlich festzuhalten.
Seit The Black Market sind inzwischen drei Jahre vergangen, und logisch betrachtet (2008 Appeal to Reason, 2011 Endgame, 2014 TBM) wurde es Zeit für einen Nachfolger. Wolves ist somit keine große Überraschung - dafür aber eine umso positivere! Bereits der Titeltrack zeigt ordentlich Zähne und legt im Vergleich zu den letzten beiden Alben wieder einen raueren Ton an. Disclaimer an dieser Stelle, einen enormen Unterschied findet man hier soundtechnisch nicht. Jedoch haben Rise Against weiter an eben diesem Sound, den sie für sich gefunden haben, gefeilt und ihn - meiner Meinung nach - perfektioniert. Man ist sich weder zu schade, dem bewährten, sehr melodischen Rezept treu zu bleiben, noch, an manchen Stellen wieder schmutzig, roh, und punkig zu klingen. In Sachen Produktion hat man den Zenit des Möglichen erreicht - hier stimmt alles. Der Bass knallt und mümmelt sich über die Songs, ist so präsent und satt, dass er schon beinahe massierend wirkt. Die Gitarren sind lebendig, abwechslungsreich und gehen richtig schön vorwärts - dabei liefern sie Melodie en masse. Tim McIllrath, der zweifelsfrei über eine der schönsten und einzigartigsten Stimmen auf diesem Globus verfügt, liefert ab. Ohnegleichen, Wolves ist eine 10/10. Zum Ende liefert McIllrath sogar einige sehr harsche Screams, sozusagen als Sahnehäubchen. Prima Ding, knallt vor allem beim Autofahren (bitte nur außerhalb geschlossener Ortschaften hören).
House on Fire, die zweite Single, schließt sich an und beginnt erneut mit einem Mümmelbass. Der Refrain eignet sich wunderbar zum mitsingen und stellt einen ätzend aufdringlichen Ohrwurm dar - gut so, denn genau das erwarte ich von einem Rise Against Song! Ganz ehrlich, die Männer liefern hier bereits in den ersten 5 Minuten mehr Energie, als ein durchschnittlicher Teenager am Tag verbrauchen kann. Wahrscheinlich kommt daher auch der Parental Advisory Sticker auf dem Cover. House on Fire ist sprichwörtlich ein Inferno von einem Song, wer hier stillsitzen kann, ist tot. Es folgt The Violence - mein absolutes Highlight des Albums und die erste veröffentlichte Single, die, wie sollte es anders sein, viel Gejammer unter "alteingesessenen" RA-Fans auslöste. Mimimi, man klinge ja genau wie auf The Black Market und Endgame. Jungs, ich weiß nicht, welche Alben ihr da gehört habt, aber man klingt ganz und gar nicht genauso! Energetisch, melodisch, gut, ja! Aber wieder wesentlich rauer, aggressiver und fordernder. Dabei möchte ich die Vorgänger nicht entehren, beide waren exzellente Werke - aber The Violence geht von Sekunde 1 an in die Vollen und tritt das Gas bis zur letzten Sekunde voll durch.
Welcome to the Breakdown liefert im Anschluss den nächsten Turbokracher und überzeugt wieder mit einer Bombe von Refrain, die (Menschen wie mich) dazu anhält, den Repeatbutton regelrecht zu vergewaltigen. Auch hier bekommt man zum Ende wieder einen akzentuiert gesetzten Scream. Generell besinnt man sich hier stärker auf seine Wurzeln - der Track ist unfassbar punkig und aggressiv, rotzt mit einer Energie aus den Boxen, die ansteckt - und klingt stellenweise dreckig. Auch dies wird nur akzentuiert eingesetzt, funktioniert und wirkt aber wunderbar.
Far From Perfect nimmt das Tempo dezent raus und ist einer dieser Songs, die sofort (und ich meine hier regelrecht Instant-Video-mäßig, wer es nicht kennt, schäme sich kurz) ins Ohr gehen. Hier ist die Abwechslung zu betonen, die Rise Against erneut darbieten. Far from perfect ist man an dieser Stelle nicht, soviel kann ich sicher sagen. Neben einem ihrer melodischsten Refrains bieten sie hier eine von Screams untermalte Bridge, die gleich darauf einem ruhigen Instrumentalpart Platz macht, der wiederum in ein musikalisches Finale erwächst, das das Lied wunderbar abschließt. Bullshit ruft auf charmantest mögliche Weise zur Nutzung des eigenen Kopfes auf und thematisiert viel aktuelles, sowohl politisches als auch gesellschaftliches Weltgeschehen. Untermalt wird dieses Konstrukt erneut von einer wunderbar wummernden Bassline und großartigen Backing Vocals. Man macht seinem Ärger offen Luft, verdient sich somit die Parental Advisory Plakette - und scheißt drauf. Rise Against sprechen ihren Ärger und ihre Gedanken aus und schwimmen alleine damit schon mit hohem Tempo gegen den Bullshitstrom an, der seit Jahren immer mehr und mehr gesellschaftsfähige Musik ergreift und ihren lyrischen Fokus auf Ärsche, Oralsex oder ähnliches legt. Großen Respekt und ein fettes "DANKE!" an diese Band, die nicht müde wird, sich PA-Sticker zu verdienen, indem sie ihre Meinung rausposaunt!
Politics of Love ist schon jetzt ein Livekracher und wird, das kann ich prophezeien, mit seinem Rhythmus und der fantastischen Melodie tausende Menschen zum mittanzen - und spätestens mit seinem Refrain - zum mitsingen bringen. Die Gitarren sind hierbei rau und schmutzig, jedoch nicht so aggressiv wie an den meisten anderen Stellen des Albums. Das Schlagzeug macht einen fantastischen Job, besonders die Bridge ist zum Verlieben schön. Whooo-Gesänge finden sich hier ebenfalls, alles in Allem - ein wundervoller, wundervoller Song. Der Song endet genauso melodisch, wie er begonnen hat, und macht Platz für Parts Per Million. Dessen Anfangsriff erinnert mich tatsächlich sehr an Appeal to Reason, und auch im Pre-Chorus kommen bei mir starke Assoziationen an die Zeit auf, als ich noch 13 war... Appeal to Reason eben. Hier gönnen Rise Against dem Hörer ein wenig laid-back-Atmosphäre, will sagen, man nimmt das Tempo stark raus - bis zum Refrain. Hier wird wieder richtig schön reingeknübbelt, insgesamt befindet man sich hier im Midtempo-Bereich. Mourning In Amerika... ach, was soll ich hier sagen? Hört selbst. Stellt für mich einen ganz klaren Hochpunkt auf einem Album voller Hits dar. Die Struktur des Songs ist wunderbar, alterniert er zwischen ruhigem Gemümmel meines Lieblingsinstruments und treibendem Geschrappel der beiden Gitarren.
How Many Walls macht bereits mit dem Einstieg klar, wo hier - erneut - der Fokus liegt: Melodie! Textlich gesehen ist dieser Song mein Highlight, denn sag mir - how many guns tell you feel safe? Auch musikalisch gibt es hier nichts auszusetzen, der Song steigert sich von Durchgang zu Durchgang - und auch von Anfang bis Ende. Viele Male kann man hier noch kleine, hintenanstehende Melodien ausmachen, die diesen Song unendlich interessant machen - von dem krassen, punkigen Break mal ganz zu schweigen. Die Kritik würzt man hier nämlich wieder mit ordentlich Aggression. Miracle stellt für das reguläre Album einen grandiosen Abschluss dar und strahlt schon fast vor Positivität - hier wird eine wichtige Botschaft vermittelt, die im Alltag gerne untergeht. Mehr möchte ich nicht verraten, sondern eher empfehlen, sich den Song (oder besser das ganze Album) selbst anzuhören. Man ist hier etwas ruhiger und versöhnlicher, geht langsamer vor, ist jedoch 100% man selbst.
Mit Megaphone und Broadcast[Signal]Frequency finden sich auf der Deluxe Edition zwei grandiose Bonustracks, die beide wieder mehr in die extrem aggressive, schnelle Richtung schlagen. Fast fühlt man sich in Revolutions Per Minute und Siren Song of the Counter Culture Tage zurückgebeamt - großartig. Das Tempo ist hier dermaßen halsbrecherisch, dass man den Titeltrack des Albums noch einmal übertrifft. Die 2 Euro mehr lohnen sich definitiv.
Aussetzen kann man als Melodic Hardcore Liebhaber an diesem Album absolut nichts, die Komposition ist fantastisch, allen Instrumenten wird ausreichend Platz gemacht, Tims Stimme ist wunderbar wie eh und je - Abwechslung wird groß geschrieben und kommt nicht zu kurz. Die Stimmen der ewig gestrigen Nörgler möge man überhören - ja, man hat sich distanziert. Wolves ist nicht The Unraveling. Wolves ist Wolves. The Unraveling war 2001. Wolves ist 2017. The Unraveling war Rise Against. Wolves ist Rise Against. 10/10.
Anspieltipps: Album von vorne bis hinten.

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